Korrekterweise spricht man erst dann von Enuresis, wenn das Kind ab dem 6. Lebensjahr mindestens zweimal pro Woche einnässt und keine organische Krankheit dem Bettnässen zugrunde liegt.
Man unterscheidet dabei zwischen primärer und sekundärer Enuresis. Beide Formen können sehr viele und unterschiedliche Ursachen haben.
- Bei der primären Enuresis nässt das Kind fortlaufend ein ohne über einen längeren Zeitraum trocken gewesen zu sein. Häufig ist dann eine verzögerte Entwicklung die Ursache. Die Kinder spüren beispielsweise nicht, dass die Blase voll ist. Auch ein zu schwacher Schließmuskel kann die Ursache sein. Das Zusammenspiel von Nierenfunktion und Blasenkontrolle entwickelt sich erst langsam, sodass einige Kinder für diesen Prozess etwas länger brauchen als andere. In nahezu 90% dieser Fälle hatte ein naher Verwandter das gleiche Problem, sodass eine familiäre Veranlagung für die primäre Enuresis als Ursache vermutet wird.
In seltene Fällen kann auch eine Hormonstörung Ursache für das Bettnässen sein. Die Kinder produzieren zu wenig ADH, auch Vasopressin genannt. Dieses Hormon hemmt die Harnproduktion und ist für die Wasserausscheidung aus dem Körper verantwortlich. Es wird in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gebildet. Die Produktion von ADH unterliegt einem tageszeitlichen Rhythmus, der dafür sorgt, dass sich die Blase nachts weniger Füllt. Diese Regulation des Hormons kann gestört sein und die Kinder produzieren nachts zu viel Harn. Sie können deshalb vor allem nachts ihre Blasenentleerung schwer steuern.
Psychische Einflüsse, wie eine belastende familiäre Situation, kindliche Depressionen oder ein gestörtes Schlafmuster können ebenfalls eine Enuresis auslösen.Außerdem wirkt sich eine zu frühe Reinlichkeitserziehung auch negativ auf die Blasenkontrolle aus.
- Bei der sekundären Enuresis tritt das Einnässen wieder auf, nachdem die Kinder für mindestens sechs Monate trocken waren. Hier spielen wahrscheinlich psychische Störungen die Hauptrolle. Die betroffenen Kinder durchleben eine Phase, in der viele belastende Veränderungen auftreten, die sie verängstigen oder beeinträchtigen. Die Geburt eines Geschwisterkindes beispielsweise, sowie ein Trennungserlebnis oder ein Umzug können mögliche Auslöser sein.
Tritt das Einnässen auch tagsüber auf, liegt in den meisten Fällen eine organische Störung als Ursache vor.
Bei Kindern mit Harnwegsinfektionen, Diabetes mellitus oder einer geistigen Entwicklungsverzögerung tritt oft Eunuresis als Begleiterscheinung auf. Selten können auch eine Epilepsie, Fehlbildungen der Harnwege oder Erkrankungen des Nervensystems eine Enuresis verursachen.
Außerdem wurde beobachtet, dass Kinder mit einer Schlafapnoe beginnen, nachts einzunässen. Die Betroffenen leiden dann unter längeren nächtlichen Atempausen. Werden als Therapiemaßnahme die Gaumenmandeln (Tonsillen) entfernt, verschwindet auch die Enuresis.
Letzte Aktualisierung am 05.12.2008.