Das ideale Verfahren für einen Schwangerschaftsabbruch gibt es nicht. Abhängig vom Schwangerschaftszeitpunkt, dem Gesundheitszustand der Frau und des Kindes sowie den persönlichen Wünschen der Schwangeren wird das geeignete Verfahren ausgewählt. Folgende Methoden stehen zur Vefügung:
Vakuumaspiration/Absaugmethode (Saug-Kürettage)
Die Absaugmethode ist in vielen Ländern Standardmethode. Auch in Deutschland gehört sie mit etwa 76 Prozent zu den am häufigsten angewandten Methoden des Schwangerschaftsabbruchs. Sie kann ab der 6. bis 14. Schwangerschaftswoche angewendet werden. Erfahrene Ärzte führen diesen Eingriff in wenigen Minuten durch.
Unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose erfolgt zunächst die Schmerzausschaltung. Der Gebärmutterhals wird mit Metall- oder Plastikstiften so weit aufgedehnt, dass ein sechs bis zehn Millimeter dünner Schlauch in die Gebärmutter eingeführt werden kann. Dieses dünne Röhrchen ist mit einer Saugpumpe verbunden, welches den Fruchtsack mit dem Embryo sowie die Schleimhaut der Gebärmutter absaugt.
Anschließend erfolgt eine Nachkontrolle mit dem Ultraschall um sicherzugehen, dass keine Gewebereste zurückgeblieben sind. Diese können gegebenenfalls gezielt abgesaugt oder mit einer stumpfen Curette ausgeschabt werden.
Es kommt nur selten zu Komplikationen. Vereinzelt können danach Blutungen oder Krämpfe der Gebärmutter auftreten, die etwa mit Menstruationsbeschwerden vergleichbar sind. Krampflösende Medikamente führen hier oft schon zur Linderung. Zur Förderung des Zusammenziehens der Gebärmutter und damit zur Minimierung des Blutverlustes wird nach der Absaugung das Wehenhormon Oxytozin gespritzt.
Eine Stunde nach dem Eingriff können die meisten Frauen schon wieder nach Hause gehen.
In den meisten Fällen ist eine Nachuntersuchung nicht mehr notwendig, da unmittelbar nach der Absaugung eine Ultraschallkontrolle durchgeführt wurde.
Vergessen Sie nicht: Geschlechtsverkehr ist erst nach 10-12 Tagen wieder erlaubt, nachdem die Blutungen aus der Scheide vollständig aufhören.
Ausschabung/Curettage
Mit Hilfe von Hegarstiften wird der Muttermund aufgedehnt und mit einer so genannten Curette (ein löffelartiges Instrument) die Gebärmutter ausgeschabt. Hierbei werden der Fruchtsack und die Gebärmutterschleimhaut entfernt. Sie kann auch aus anderen Gründen bei Frauen durchgeführt werden, die nicht schwanger sind. Diese Methode des Schwangerschaftsabbruchs wurde früher sehr oft durchgeführt, wird aber heute kaum noch als alleinige Methode angewandt.
Die Curettage kommt heute nur dann zum Einsatz, wenn nach einem Schwangerschaftsabbruch noch Reste des Embryos oder sonstige Gewebereste aus der Gebärmutter zu entfernen sind.
Abtreibungspille (Mifegyne)
Die Abtreibungspille Mifegyne ist eine Alternative zu den chirurgischen Verfahren. Die Pille führt zum Absterben der Frucht und zu einer Fehlgeburt. Sie kommt zum Einsatz für Schwangerschaftsabbrüche bis zur 7. bis 9. Schwangerschaftswoche. Diese Methode ist insbesondere in Frankreich und in der Schweiz weit verbreitet. Sie werden bei etwa 50 Prozent der Abtreibungen eingesetzt. In Deutschland wird sie nur in etwa 10 Prozent der Fälle eingesetzt.
In einigen Ländern, so auch in Deutschland, wird dieses Verfahren eher kritisch betrachtet. Grund dafür sind nicht die medizinischen Bedenken, sondern die Annahme, dass es den Frauen einfach leicht gemacht wird, eine Abtreibung durchzuführen. Auch die seelische Belastung ist für die betroffene Frau sehr hoch, da sie den Abbruch durch die Einnahme der Pille alleine durchführt und die alleinige Verantwortung trägt.
Die Schwangere nimmt drei Tabletten Mifegyne (Wirkstoff Mifepriston) ein, um das körpereigene Hormon Progesteron chemisch zu blockieren. Progesteron ist ein Hormon, welches die Schwangerschaft aufrecht erhält. Das Medikament bewirkt, dass sich der Muttermund öffnet und die Gebärmutterschleimhaut und der Fruchtsack sich ablösen. Die in der Gebärmutter eingenistete Eizelle wird abgestoßen. Nach ein bis zwei Tagen müssen Prostaglandin-Tabletten eingenommen werden, damit sich die Gebärmutter wieder zusammenzieht und so die Austreibung des Fruchtsacks und Embryos beschleunigt wird. Etwa zwei bis drei Stunden nach der Einnahme kommt es zu einer Abbruchblutung.
Nach Anwendung dieser Methode kann es zu Beschwerden wie verstärkte Blutung, Übelkeit und Schmerzen im Unterleib kommen.
Insgesamt kann es bis zu 14 Tagen dauern, bis der gesamte Fruchtsack ausgestoßen ist.
Das Mittel ist seit Juli 1999 in Deutschland zugelassen. Die Anwendung erfolgt nur unter strenger ärztlicher Kontrolle in dafür zugelassenen Kliniken oder Arztpraxen.
Nach ein bis zwei Wochen ist eine Nachuntersuchung erforderlich.
Bei etwa 5 Prozent der Schwangeren ist der medikamentöse Abbruch nicht erfolgreich oder es bleibt soviel Restmaterial in der Gebärmutter zurück, so dass ein chirurgischer Eingriff notwendig ist, die meist in Form einer Vakuumaspiration erfolgt.
Prostaglandine
Prostaglandine kommen in der Regel zum Einsatz, wenn ein Schwangerschaftsabbruch noch nach der 12. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden muss. Diese werden dann als so genannte Spätabbrüche bezeichnet. Die medikamentöse Geburtseinleitung erfolgt vor allem dann, wenn die Mutter schwer erkrankt ist oder Fehlbildungen des Kindes zu erwarten sind. Mit den Prostaglandinen wird eine geburtsähnliche Fruchtausstoßung eingeleitet. Sie lösen eine Fehlgeburt aus, indem sie den Muttermund aufweichen und die Wehen fördern. Dies sind die gleichen körperlichen Vorgänge, die auch bei einer normalen Geburt ablaufen. Im Anschluß ist, wie bei einer Fehlgeburt eine Ausschabung erforderlich, um alle Gewebereste aus der Gebärmutter zu entfernen. Zur Minimierung des Blutverlustes erhält die Patienten zudem noch Oxytozin.
Erfolgt der Schwangerschaftsabbruch nach der 16. Schwangerschaftswoche, so muss zusätzlich der Milcheinschuss mit einem Medikament unterdrückt werden.
Dieser Eingriff wird stationär durchgeführt, da es ein bis zwei Tage dauern kann bis die Prostaglandine wirken.
Hysterotomie
Die Hysterotomie wird heute nur sehr selten angewandt. Sie dient vor allem dem Abbruch von fortgeschrittenen Schwangerschaften. Bei diesem Eingriff wird die Gebärmutterhöhle operativ geöffnet und der tote Fötus sowie die Plazenta entnommen.
Letzte Aktualisierung am 05.12.2008.