Jedes Land verfügt über eine mal längere, mal kürzere Teekultur und zeigt hierbei durchaus deutliche Unterschiede. Während in den meisten deutschen Haushalten lediglich Teebeutel zum Einsatz kommen, zeigen sich die Teekulturen in China, Großbritannien und zahlreichen weiteren Ländern als Kunst an sich, die unter anderem eine familiäre Weitergabe oder auch das Erlernen durch einen Tee-Meister mit sich bringt.
Britisch
In Großbritannien würde wohl kaum ein Tag ohne Teetrinken vergehen. Besonders beliebt ist hierbei der so genannte „Afternoon Tea", der in etwa mit dem deutschen nachmittäglichen Kaffeetrinken zu vergleichen ist. Eingeführt wurde diese „Überbrückungszeit" zwischen Mittag- und Abendessen im Jahr 1840 von Baronin von Bedford und bis heute zeigt sich diese traditionelle Teestunde als ungebrochene Gewohnheit unter den Briten.
Unterschieden wird hierbei zwischen dem klassischen Afternoon-Tea (zwischen 16 und 17 Uhr), dem High Tea, dem Cream Tea, Light Tea, Royal Tea und Receptions Tea. Je nach Form werden kleine bis größere Snacks, Kuchen, kandierter Zucker, Milch, Champagner oder auch Sherry gereicht.
Ganz wichtig ist bei den Briten auch die Einhaltung der Tee-Regeln, die zum Beispiel besagen, dass man sich niemals selber Tee einschenkt, wenn man als Gast eingeladen ist. Auch ein Geräusche machen beim Umrühren des Tees ist nicht gerne gesehen, ebenso wenig wie ein Halbieren der gereichten Scones oder gar ein Rauchen. Very British zeigt sich der Teertrinker zudem mit dem Halten der Teetasse nur mit Daumen und Zeigefinger. Hier passt ein britisches Sprichwort angesichts der langen Teetradition „something never change".
Chinesisch
Ein Teetrinken per Teebeutel würde im traditionsreichen China einen Fauxpas darstellen, denn statt einem schnöden Teetrinken wird hier die Teezubereitung und dessen anschließenden Genuss zelebriert. Kaum verwunderlich, wenn man bedenkt, dass China als Ursprungsland des Tee gilt und seit über zwei Tausend Jahren die Teekunst in Zeremonien angewendet wird. Traditionen hinsichtlich der Zubereitung und auch dem Genuss des Tees werden entweder innerhalb der Familie weitergegeben oder auch durch Tee-Meister erlernt.
Die meisten Chinesen genießen am liebsten den Grünen Tee, der nicht gezuckert wird, wobei es auch regionale Vorlieben gibt bei denen der Yasmin-Tee anderen Teesorten gegenüber bevorzugt wird. Die traditionelle Teezeremonie zeigt sich durch die Verwendung unterschiedlicher Schalen und auch einer längeren Teezubereitung bei der auch die Hitze des Wassers variiert.
Kulturell gibt es drei Schulen der Teezubereitung, die auch heute noch unter den Namen „Schule des gesalzenen Pulvertees", „Schule der geschäumten Jade" und „Schule des duftenden Blattes" bekannt sind.
Japanisch
Ähnlich wie in China zeigt sich das Teetrinken auch in Japan als Teekultur, die ebenfalls auf Zeremonien bei der Teezubereitung zurückgreift. Das Teetrinken an sich ist zwar in Japan etwas jünger als in China, aber zeigt sich trotz allem als eine Mischung aus der Kunst und der Philosophie. Ausgefeilte einzelnen Handgriffe und Handbewegungen lassen die Teezubereitung durch einen Teezeremonien-Meister fast schon zu einem Schauspiel werden. Eine Zeremonie, die unter Umständen einige Stunden dauern kann.
Die Gäste selbst werden zuvor stets empfangen und gerade als Europäer ist es gut zu wissen, dass man nicht ungebeten einfach in ein Haus tritt und sich zum Teetrinken hinsetzt.
Unterschiedliche Schalen, Bambusschneebesen, Wasserkessel oder auch Teedosen sind mit in das Ritual der japanischen Teekultur fest verankert. Jahrelange Übung der einzelnen Vorgänge lassen Tee-Meister und Geishas zu wahren Könnern in ihrem Fach werden. Ein erster aufwändig hergestellter erster Aufguss wird an die Gäste gereicht, die nur wenige Schlucke davon nehmen.
Ein zweiter und dünnerer Teeaufguss erfolgt dann nach der Unterhaltung über die Teesorten und ähnliches. Respekt, Teilen und Rücksichtsnahme sind bei der japanischen Teekultur Aspekte mit einer hohen Priorität.
Ostfriesisch
Mit rund 288 Litern Teeverbrauch in Ostfriesland ist es kaum verwunderlich dass sich gerade in dieser deutschen Region eine eigene und besondere Teekultur entwickelt hat, die bei den Ostfriesen Teetied (Teezeit) genannt wird. Bevorzugt wird bei den Einwohner Ostfrieslands Tee mit einer kräftigen dunklen Farbe und einer starken geschmacklichen Note, wie sie zum Beispiel durch eine spezielle Ostfriesentee-Mischung zustande kommt, wobei unterschiedliche Assam-Tee-Sorten verwendet werden.
In der ostfriesischen Teekultur ist es generell üblich einem Gast als erstes eine Tasse Tee anzubieten. Bei der Teetied wird weiches Wasser verwendet, eine spezielle Ostfriesenmischung des Tees, sowie feines Porzellangeschirr. Sahne und weißer oder brauner Kandiszucker (Kluntjes) zum Süßen und Verfeinern, sowie fakultativ auch verschiedenes Gebäck gehört zum Teetrinken unabdingbar dazu.
Auch die anschließende Zubereitung unterliegt bestimmten Teetied-Regeln, so etwa, dass die Teekanne zuvor mit heißem Wasser ausgespült wird oder auch bestimmte Abmessung des Tees je nach gewünschter „Dicke". Bevor der fertige Tee in die feinen Tassen eingegossen wird, legt man zunächst ein Kluntje in die Tasse. Traditionell kennt man ein Umrühren des Tees in Ostfriesland nicht. Für alle Nicht-Kenner dieser Teetradition in Ostfriesland: Mindestens drei Tassen Tee sind ein Muss, alles andere gilt bereits als unhöflich.
Tibetisch
Das Teetrinken und dessen Kultur zeigten sich in Tibet später als in China. Als eines der gebräuchlichsten Getränke wird von den Tibetern bevorzugt Milchtee oder auch Buttertee vom Yak getrunken. In den Tempeln der Mönche wurde die Teekultur sowohl geprägt als auch ein ritueller Vorgang vorgenommen. Die Teezubereitung als auch das Ausschenken werden ähnlich wie in China zelebriert. Tee gilt übrigens bei der tibetischen Bevölkerung als ein Synonym für Freundschaft, Glück, Reinheit und Verehrung.
Als Gast bekommt man bei den Tibetern automatisch Tee zur Begrüßung angeboten. Hierbei ist es üblich nur in kleinen Schlucken zu trinken und natürlich auch den zubereiteten Butter- oder Milchtee hinsichtlich des Geschmackes und der Qualität ausgiebig zu loben. Da gerade in den kalten Gegenden Tibets der wärmende Yaktee hochgeschätzt wird, sollte man sich dessen gerade als Gast bewusst sein.
Tibeter sind in ihrer Teekultur sehr aufmerksam und so muss man sich nicht wundern, dass nach eine halb geleerten Tasse gleich nachgefüllt wird. Während die Tibeter oftmals mit dem Finger leicht in den Tee tauchen und danach als „Opfer für die hungrigen Geister" diesen dann abschnipsen, zeigt sich bei den Mönchen das Ritual des Teetrinkens und dem Verzehr von Tsampa, einem Brei aus gerösteter Gerste und Buttertee.
Letzte Aktualisierung am 10.07.2009.