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Dialyse und Schwangerschaft


Was ist bei einer Dialyse in der Schwangerschaft zu beachten?

Auch bei schwangeren Frauen kann es vorkommen, dass sie eine Dialyse (Blutwäsche) benötigen. Umgekehrt können Dialyse-Patientinnen im gebärfähigen Alter auch schwanger werden. In der Schwangerschaft kommt es allerdings oft zu erheblichen Komplikationen, wenn währenddessen aufgrund einer Nierenerkrankung eine Dialyse durchgeführt werden muss. Unter anderem können ein hoher Blutdruck und eine Blutarmut (Anämie) auftreten. Fehlgeburten sind sehr häufig, so dass nur etwa die Hälfte der Kinder lebend und lebensfähig zur Welt gebracht werden können. Zudem kommen die Kinder meist zu früh zur Welt. Die Dialyse muss bei Schwangeren besonders sorgfältig durchgeführt werden. Meist nimmt sie pro Woche mehr Zeit ein als bei Nichtschwangeren.

Wie häufig trifft eine Dialysepflichtigkeit mit einer Schwangerschaft zusammen?

Eine Dialyse muss durchgeführt werden, wenn die Funktion der Niere so stark herabgesetzt ist, dass Giftstoffe nicht mehr ausreichend aus dem Blut gefiltert werden können (Nierenversagen, Niereninsuffizienz). Dies kann durchaus bei Frauen im gebärfähigen Alter vorkommen. Dialyse-Schwangerschaften stellen dennoch sehr seltene Fälle dar. Sowohl kann ein Nierenversagen mit Dialysepflicht während einer schon vorhandenen Schwangerschaft entstehen (etwa 20 Prozent der Fälle) als auch eine Schwangerschaft bei Dialyse-Patientinnen eintreten (etwa 80 Prozent der Fälle). Insgesamt gab es bisher wahrscheinlich weniger als tausend Fälle weltweit, bei denen eine Dialyse-Patientin ein Kind zur Welt brachte.

Frauen, die eine regelmäßige Dialyse bekommen müssen, haben häufiger sexuelle Probleme wie Verlust des Geschlechtstriebes und unregelmäßiger oder ausbleibender Menstruationsblutung. Allein deshalb ist die Zahl der Schwangerschaften in der Dialyse schon niedrig. Meist sind die in der Dialysezeit entstehenden Schwangerschaften nicht geplant.

Im Allgemeinen wird von einer Schwangerschaft während der Dialyse eher abgeraten. Grund sind die vielen Gefahren, die für Mutter und Kind bestehen. Eine Verhütung wird beim Geschlechtsverkehr einer gebärfähigen Frau in Dialysebehandlung als empfehlenswert angesehen. Unter besonders günstigen Voraussetzungen wird von manchen Medizinern eine Schwangerschaft bei Dialyse jedoch auch befürwortet.

Welche Komplikationen können in der Schwangerschaft einer Dialyse-Patientin vorkommen?

Schwangere, die sich regelmäßig einer Dialyse unterziehen müssen, sind besonderen Gefahren ausgesetzt. Das gilt besonders für das ungeborene Kind, aber in geringerem Umfang auch für die Mutter. Es handelt sich eindeutig um eine Risikoschwangerschaft. In erster Linie findet sich sehr häufig eine Vermehrung des Blutvolumens beziehungsweise ein Bluthochdruck. Umgekehrt besteht die Schwierigkeit, dass der Blutdruck nicht stark abgesenkt werden darf, weil sonst die Blutversorgung des Kindes zu gering werden kann.

Oft leidet die betroffene Patientin an einer Blutarmut (Anämie). Das ist ein Zustand, bei dem zu wenige rote Blutkörperchen vorhanden sind. Eine Unterversorgung von Organen mit Sauerstoff ist möglich und kann für das Kind im Mutterleib ein Problem darstellen. Das Fruchtwasser ist in vielen Fällen bei einer Dialyse vermehrt, was wahrscheinlich aufgrund eines erhöhten Harnstoffwertes im Blut verursacht wird.

Sehr viele Schwangerschaften von Dialyse-Patientinnen enden in einer Fehlgeburt. Schätzungsweise liegt die Rate von lebensfähigen Kindern, die von der Dialyse abhängige Schwangere gebären, bei rund 50 Prozent. Fehlgeburten können noch im letzten Schwangerschaftsdrittel vorkommen. Die Kinder, die lebend zur Welt kommen, sind meistens Frühgeborene. Die Gefahr für eine Unter- oder Fehlentwicklung ist größer als bei normalen Schwangerschaften.

Wie muss die Dialyse bei Schwangeren fortgeführt werden?

Die Dialysezeit pro Woche muss bei Schwangeren meist deutlich erhöht werden. Die Regel sind hier 20 Stunden wöchentlich. Ansonsten ändert sich am Vorgang nichts, sofern das Blut mit der häufigeren Methode der Hämodialyse mit einem Gefäßzugang am Arm (Shunt) gereinigt wird.

Erfolgt die Blutwäsche jedoch mit der Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse), so sind weitere Besonderheiten zu beachten. Bei der Methode liegt ein Katheter im Bauch, über den mittels Beutel die Dialyseflüssigkeit eingefüllt und wieder abgelassen wird. Durch die Schwangerschaft wird der Ablauf bereits dadurch deutlich erschwert, da sich das Volumen im Bauchraum verändert. Die Peritonealdialyse muss jedoch nicht zwangsläufig auf die Hämodialyse umgestellt werden. Hier sollte eher mit weniger Flüssigkeit und häufigerem Wechsel oder mit nächtlicher kontinuierlicher Peritonealdialyse über ein Gerät (Cycler) gearbeitet werden. Auf die Hygiene muss peinlich genau geachtet werden, da eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) zu verfrühter Wehentätigkeit führen kann und somit unter allen Umständen verhindert werden muss.

Es sind die Richtlinien bezüglich der Ernährung und dem Alltagsverhalten wie auch bei einer Dialyse ohne Schwangerschaft zu beachten. Die Blutsalze sollten besonders gut kontrolliert werden, ebenso müssen genügend Vitamine aufgenommen werden. Bei der Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse) muss ganz besonders auf eine ausreichende Eiweißzufuhr geachtet werden.

Eventuell auftretende Komplikationen müssen behandelt werden. Ein Bluthochdruck muss beispielsweise vorsichtig mit Medikamenten therapiert werden. Beachtet werden muss, dass für viele Arzneimittel eine Schwangerschaft eine Gegenanzeige darstellt. Bei Blutarmut kann das Mittel Erythropoetin gegeben werden.

In der Zeit vor der Geburt wird der Zustand von Patientin und Kind meist in der Klinik beobachtet. Der richtige Zeitpunkt zur Entbindung wird in der Regel zwischen der 34. und der 38. Schwangerschaftswoche angesetzt. Die Entbindung erfolgt in den meisten Fällen per Kaiserschnitt, nur bei sehr gutem Zustand von Patientin und Kind kann eine Geburt auf normalem Weg befürwortet werden. Eine Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse) kann etwa 24 Stunden nach der Entbindung fortgeführt werden, eine Hämodialyse natürlich schon früher.

In der Frühschwangerschaft kann darüber hinaus auch über die Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruches nachgedacht werden, da es sich um einen Zustand mit erheblichen Risiken für Mutter und Kind handelt.

Eine erfolgreiche Nierentransplantation führt dazu, dass keine Dialysepflicht mehr besteht. Nach einer Nierentransplantation sind die Risiken einer Schwangerschaft deutlich geringer als bei einer Dialyse, wenn auch immer noch etwas erhöht im Gegensatz zu völlig gesunden Frauen. Nach einer Nierentransplantation wird empfohlen, zunächst ein Jahr abzuwarten, bevor ein Kind gezeugt wird.


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Letzte Aktualisierung am 10.12.2009.

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