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Dialyse im Alltag


Auf welche Aspekte der Ernährung müssen Dialyse-Patienten achten?

Während der Dialysepflicht muss der Patient auf verschiedene Aspekte seiner Ernährung achten. In diesem Zusammenhang ist die Flüssigkeitsbilanz enorm wichtig, weil der Körper überwässert werden kann. Ebenso muss der Patient einige Vorgaben bei Nährstoffen und Mineralien einhalten. Außerdem sollte bei der Dialyse-Diät auf die Kalorienzufuhr geachtet werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Patient besonders große Einschränkungen in Kauf nehmen muss. Es finden sich diverse Rezepte für Gerichte, die schmackhaft sind und für Dialyse-Patienten vorteilhaft sind. Mit der richtigen Ernährung bei der Dialyse kann die Lebensqualität gesteigert werden und vermieden werden, dass weitere Erkrankungen entstehen. Zu beachten ist, dass für Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, die (noch) nicht dialysiert werden, ganz andere Empfehlungen gelten.

Die Flüssigkeitsbilanz

Ein bedeutender Aspekt bei der Dialyse ist die Regulierung des Flüssigkeitshaushalts. Weil nur eine begrenzte Menge Flüssigkeit aus dem Körper ausgeschleust werden kann, muss die Zufuhr entsprechend angepasst werden. Ansonsten könnte es zu einem Flüssigkeitsüberschuss kommen. Das kann unter anderem eine gefährliche Überwässerung der Lunge (Lungenödem) bewirken, die die Atmung stark behindern kann, sowie eine Blutdruckzunahme, die Herz und Gefäße belasten kann.

Der Patient darf also nur so viel Flüssigkeit aufnehmen, wie er durch Restharnausscheidung, Dialyse und Schwitzen wieder abgeben kann. Ein Richtwert dazu ist die Zufuhr von 500 bis 800 Millilitern mehr Flüssigkeit pro Tag, als über den natürlichen Weg ausgeschieden wird. Nicht nur durch Trinken, sondern auch durch Essen vieler Speisen gelangt Flüssigkeit in den Körper. Dies muss natürlich in die Berechnungen mit einbezogen werden. Patienten, die ihr Blut nach der Methode der Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse) kontinuierlich reinigen, dürfen meist etwas mehr trinken.

Zur gewissenhaften Feststellung der Flüssigkeitsbilanz sollte für jeden Tag ein Protokoll erstellt werden. Darauf festgehalten werden die Flüssigkeitsaufnahme und die Ausscheidung von Urin über die Nieren, falls noch Restharn vorhanden ist. Ebenfalls verzeichnet wird das Körpergewicht zu verschiedenen Zeitpunkten vor und nach der Dialyse. Der Patient sollte sich jeden Tag mindestens einmal wiegen, am besten morgens nüchtern. Die tägliche Gewichtszunahme, welche zum großen Teil durch einen Flüssigkeitsüberschuss bedingt ist, darf allerhöchstens ein Kilogramm betragen. In das Protokoll können des Weiteren Auffälligkeiten eingetragen werden, die auf einen Flüssigkeitsüberschuss hindeuten, z. B. teigige Wassereinlagerungen an den Beinen und Füßen (Ödeme) oder Atemnot (durch Wasser in der Lunge).

Die Nährstoffzufuhr und der Mineralienhaushalt

Salz

Im Zusammenhang mit dem Flüssigkeitshaushalt steht das Kochsalz (Natriumchlorid). Salz verstärkt zwar den Geschmack vieler Nahrungsmittel, führt aber zu einem vermehrten Durstgefühl. Nach dem Verzehr salzreicher Speisen hat der Patient daher das Bedürfnis, seinen Durst zu stillen. Salz führt ebenso zu einer Erhöhung des Blutdruckes, was bei Dialyse-Patienten ungünstig ist. Aus diesen Gründen sollte auf Salz weitgehend verzichtet werden.

Kalium, Phosphat

Auch Kalium und Phosphat darf der Dialyse-Patient nur in begrenzten Mengen zu sich nehmen. Überschüssiges Kalium kann Muskelstörungen und gefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen. Vorsicht ist unter anderem geboten bei kaliumhaltigen Produkten als Kochsalzersatz. Phosphat kann sich bei einer herabgesetzten Nierenfunktion ebenfalls ansammeln. Zu viel Phosphat im Körper führt jedoch über einen Entzug von Calcium aus den Knochen zu einer Knochenerweichung, außerdem zu Verkalkungen verschiedener Organe. Der Dialyse-Patient sollte den Verzehr von kalium- und phosphathaltigen Lebensmitteln einschränken.

Calcium

Umgekehrt verhält es sich mit Calcium. Hier besteht bei Nieren- beziehungsweise Dialyse-Patienten oft ein Mangelzustand. Calcium sollte in genügendem Maße zugeführt werden, gegebenenfalls kann es in Form von Tabletten eingenommen werden.

Eiweiß

Eiweiß kann bei der Dialyse besonders leicht das Blut verlassen, so dass rasch ein Mangel auftreten kann. Dem kann durch eine ausreichende Aufnahme von Eiweiß entgegengesteuert werden. Besonders gilt dies für Patienten, die eine Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse) vornehmen, da Eiweiße über das Bauchfell besonders stark ausgeschwemmt werden. Es muss darauf geachtet werden, dass die Eiweiße überwiegend hochwertig sind. Sie sollten also einen gewissen Anteil an lebenswichtigen (essenziellen) Aminosäuren beinhalten. Eine Schwierigkeit ergibt sich dadurch, dass viele eiweißhaltige Lebensmittel auch eine recht hohe Menge Phosphat enthalten. So sollten eher Speisen mit einem günstigen Eiweiß-Phosphat-Verhältnis ausgewählt werden. Am besten ist es, eiweißreiche Nahrung regelmäßig und oft, aber jeweils in nicht zu großer Menge zu essen.

Fette

Fett hat speziell auf die Dialyse keine ungünstigen Auswirkungen und zeichnet sich durch einen hohen Energiegehalt aus. Vorteilhaft sind besonders pflanzliche Fette und Öle, wohingegen tierische Fette allgemein in der Nahrung reduziert werden sollten.

Kohlenhydrate

Kohlenhydrate sind ein Hauptbestandteil der Nahrung und sollten auch bei Dialyse-Patienten rund 50 Prozent der Energie liefern. Bei den Kohlenhydraten ist vor allem zu beachten, dass insbesondere stark gezuckerte Getränke zu einem Durstgefühl führen können. Bei der seltener durchgeführten Peritonealdialyse muss allerdings in den Ernährungsplan mit eingerechnet werden, dass die Dialyseflüssigkeit viel Glucose (Zucker) enthält, welches auch vom Blut aufgenommen wird.

Energie (Kalorien)

Für die Energiezufuhr insgesamt gelten für Dialyse-Patienten die gleichen Richtwerte wie für gesunde Personen. Das bedeutet, dass pro Kilogramm Körpergewicht zwischen 30 und 35 Kilokalorien am Tag empfohlen werden. Im Mittel sind das 2500 Kilokalorien für Männer und 2100 Kilokalorien für Frauen. Diese Werte sind aber stark abhängig von der Körpermasse und von der körperlichen Aktivität. Es kann den Körper belasten, wenn zu wenige Kalorien aufgenommen werden.

Vitamine

Vitamine sind Substanzen, die lebenswichtig sind und nur über die Nahrung in den Körper gelangen. Die Aufnahme von Vitaminen ist bei Dialysierten oft eher gering, da sie nur relativ wenig Gemüse und Obst essen können und dieses oft gewässert und ausgekocht werden muss. Durch die Dialyse werden insbesondere wasserlösliche Vitamine (Vitamin B, C, H) aus dem Körper geschleust. Es kann empfehlenswert sein, sich vom Arzt Vitaminpräparate verschreiben zu lassen. Fettlösliche Vitamine (Vitamin A, D, E, K) dürfen jedoch nicht in zu großen Mengen genommen werden.

Welche Nahrungsmittel eignen sich besser oder schlechter für eine Dialyse-Diät?

Am besten für Dialyse-Patienten geeignet sind Gerichte, die selbst zusammengestellt und zubereitet werden. So kann gesteuert werden, welche Nährstoffe und Mineralien in welchen Mengen enthalten sind. Im Prinzip sind alle Lebensmittel erlaubt, nur auf die richtigen Verhältnisse kommt es an. Auf Genuss, der auch zur Lebensqualität des Patienten beiträgt, muss deshalb nicht grundsätzlich verzichtet werden. Die Nahrung für Dialyse-Patienten sollte ausreichend Kalorien sowie vor allem reichlich Eiweiß enthalten. Auf dem Speiseplan sollten demnach beispielsweise folgende Lebensmittel stehen:

  • Getreide
  • Reis
  • Ei
  • Fleisch
  • Fisch
  • Kartoffeln in nicht zu großer Menge
  • Hülsenfrüchte in nicht zu großer Menge
  • Bestimmte Milchprodukte

Schlecht für die Dialyse-Ernährung geeignet sind vor allem Lebensmittel mit hohem Wassergehalt sowie viel Kalium. Sie sollten nur in geringer Menge verzehrt werden. Zu solchen ungünstigen Lebensmitteln gehören unter anderem:

  • Obst
  • Fruchtsaft und Wein
  • Suppe und Eintopf
  • Schokolade
  • Nüsse und Mandeln
  • Salat beziehungsweise Rohkost (in zu großen Portionen)
  • Milch und einige Käsesorten enthalten viel Phosphat und müssen daher ebenfalls von der Menge begrenzt werden

Der Kaliumgehalt in vielen Lebensmitteln wie Gemüse und Kartoffeln kann oft herabgesetzt werden, indem sie für einen Tag in Wasser eingelegt werden. Das Wasser wird dann weggeschüttet und das Lebensmittel gekocht. Es finden sich diverse Rezeptideen speziell für Dialyse-Patienten, z. B. in eigenen Kochbüchern oder im Internet. Zu beachten sind auch die jeweiligen Angaben auf der Lebensmittelverpackung, z. B. zum Kaliumgehalt.

Wie kann der Durst verringert werden?

Das Durstgefühl in der Dialysezeit kann für den Patienten unangenehm, mitunter geradezu quälend sein. Einige Tricks können angewendet werden, um den Durst zu vermindern:

  • Bewusst und in kleinen Schlucken trinken, gut gekühlte Getränke verwenden
  • Lutschen an einem Eiswürfel oder einer Zitronenscheibe
  • Mundspülungen, Zähneputzen
  • Kaugummi kauen
  • Essen als Ersatz für Getränke
  • Mit salzarmem Essen lässt sich oft ebenfalls das Durstgefühl vermindern. Statt Salz können andere Gewürze und Kräuter genommen werden. Geschmacksverstärker wie Mononatriumglutarat (Glutamat) haben eine ähnliche Wirkung und sollten ebenfalls gemieden werden.
  • Außerdem zum Durststillen keine Milch trinken.

Was müssen speziell Diabetiker bei der Dialyse beachten?

Patienten mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) haben die zusätzliche Schwierigkeit, schon durch diese Erkrankungen Einschränkungen bei der Nahrungsmittelauswahl hinnehmen zu müssen. Besteht die Dialysepflicht, so gelten für solche Patienten natürlich gleichzeitig weiterhin die Regeln der Diabeteskost.

Wer kann den Dialyse-Patienten zu Ernährungsfragen beraten?

Diese Empfehlungen für die Ernährung von Dialysepatienten können in diesem Rahmen nicht vollständig sein, außerdem gibt es individuell unterschiedliche Vorgaben. Eine eingehende Beratung von Betroffenen zu dem Thema ist durch den Nierenspezialisten (Nephrologen) möglich sowie auch durch einen dahingehend geschulten Ernährungsberater.


Dialyse und Arbeit »

Letzte Aktualisierung am 14.12.2009.

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