Die Hämodialyse ist eine Methode der Dialyse (Blutwäsche). Es handelt sich um die Dialyseform, die in Deutschland am weitaus häufigsten eingesetzt wird. Bei der Hämodialyse wird das Blut über einen besonderen Zugang (Shunt) aus dem Körper geleitet, im eigentlichen Dialysegerät gereinigt und dann wieder in den Körper zurückgeführt. Das Gerät funktioniert mit einer semipermeablen (für bestimmte Stoffe durchlässigen) Membran zwischen dem ausgeleiteten Blut und der getrennt fließenden Reinigungslösung. Die Hämodialyse muss normalerweise dreimal wöchentlich für jeweils einige Stunden vorgenommen werden. Die meisten Patienten gehen dazu regelmäßig in ein Dialysezentrum.
Die Hämodialyse kann vorgenommen werden, wenn ein Nierenversagen (Niereninsuffizienz) entstanden ist. Dabei werden eine akute und eine chronische Form der Niereninsuffizienz unterschieden. Bei beiden sammeln sich Giftstoffe, Wasser und einige Salze im Körper an. Durch eine Dialyse können diese Substanzen entfernt werden. Das akute Nierenversagen kann sehr schwerwiegend verlaufen, die Nierenfunktion erholt sich aber häufig wieder. Daher ist oft eine kurzzeitige Hämodialyse angebracht. Beim chronischen Nierenversagen ist meist eine regelmäßig wiederholte Dialyse auf Dauer angezeigt.
Abgesehen von Nierenschäden kann eine Hämodialyse bei Vergiftungen angezeigt sein. Die Entgiftung des Blutes durch Dialyse funktioniert aber nur bei bestimmten Stoffen wie beispielsweise Alkohol, Acetylsalicylsäure oder Lithium.
Bei der Hämodialyse geschieht die Reinigung des Blutes mit einem Gerät außerhalb des Körpers („künstliche Niere"). Das Blut wird durch das Dialysegerät geleitet und wieder in den Körper zurückgeführt. Der Blutfluss durch das Dialysegerät wird mit einer Pumpvorrichtung unterstützt. Damit das Blut weniger schnell gerinnt, wird ihm Heparin zugefügt. Außerdem gibt es einen Blasenfänger, der möglicherweise in das Blut geratene Luft entfernt.
Das Dialysegerät selbst beinhaltet viele feine Röhrchen (Kapillaren), durch die das Blut gelangt. Die Kapillaren besitzen als Umhüllung eine semipermeable Membran, also eine dünne Trennschicht mit feinen Poren, die nur von bestimmten Substanzen passiert werden können. Zu große Teilchen (z. B. Blutzellen oder Eiweiße) können die Membran nicht durchdringen. Auf der einen Seite der Membran fließt das Patientenblut, auf der anderen Seite in Gegenrichtung die Reinigungslösung. Die Blutwäsche geschieht nun über einen Stoffausgleich (Osmose) zwischen Blut und Dialyselösung durch die Membran. Ist im Blut ein größerer Gehalt einer Substanz als in der Reinigungsflüssigkeit, so kommt es zu Ausgleichvorgängen (falls die Membran durchlässig für die Substanz ist). Damit können dem Blut z. B. harnpflichtige Substanzen wie Harnstoff, Harnsäure und Kreatinin, Giftstoffe sowie Elektrolyte wie Kalium und Phosphat entzogen werden. Umgekehrt können auch einige Elektrolyte dem Blut hinzugefügt werden. Bei der Hämodialyse kann überschüssiges Wasser aus dem Blut ebenfalls über die Membran ausgeleitet werden.
Anfangs reicht ein gewöhnlicher Venenzugang, um das Blut aus dem Körper und wieder zurück leiten zu können. Vor einer häufigeren Dialyse wird aber normalerweise am Unterarm eine Verbindung zwischen einer Arterie und einer Vene angelegt (Shunt). Dies hat den Vorteil, dass mehr Blut pro Zeiteinheit (möglichst über 300 Milliliter pro Minute) entnommen und wieder zugeführt werden kann. So benötigt die Blutwäsche nicht mehr ganz so viel Zeit und kann in etwa vier bis fünf Stunden pro Sitzung ablaufen. Außerdem ist das Anstechen des Blutgefäßes einfacher.
Neben der gewöhnlichen Verbindung zwischen einer Arterie und einer Vene (arterio-venöser Shunt) gibt es aber noch andere Möglichkeiten für einen geeigneten langfristigen Dialysezugang. So kann ein Kunststoffschlauch als Zugangsmöglichkeit zwischen Arterie und Vene oder auch in den Verlauf einer Arterie gelegt werden. Des Weiteren kann auch ein Katheter (Zentraler Venenkatheter, ZVK) über eine Halsvene in die Hohlvene bis kurz vor das Herz eingeführt werden. Über diesen Katheter kann praktisch sofort eine Dialyse erfolgen. Ein Katheter kann aber nicht über lange Zeit verbleiben.
Die Hämodialyse findet bei den meisten Patienten regelmäßig an drei Terminen in der Woche statt. Jede Sitzung nimmt ungefähr vier bis fünf Stunden Zeit in Anspruch. Die Hämodialyse erfolgt meist in einem Dialysezentrum. Dort ist Fachpersonal anwesend, um die Blutwäsche durchzuführen und zu überwachen. Die Dialyse kann aber auch selbst zu Hause vorgenommen werden, wenn der Patient dies zuvor erlernt hat (Heimdialyse).
In eine Vene am Arm oder, falls vorhanden, in das Shuntgefäß werden zwei Kanülen eingestochen. Beide Kanülen werden so mit dem Schlauchsystem des Dialysegeräts verbunden, so dass das Blut aus dem einen Zugang durch das Gerät und schließlich wieder in den anderen Zugang fließen kann. Die Hämodialyse läuft nun kontinuierlich ab. Nach der Dialyse werden die Kanülen wieder entfernt.
Durch die Hämodialyse an sich werden selten Komplikationen ausgelöst. An der Einstichstelle können Infektionen und Vernarbungen entstehen. Unter Umständen kann es bluten. Eine Thrombose (Blutgerinnsel) kann unter anderem zum Verschluss des Shunt-Gefäßes führen. Eine Infektion (z. B. mit Hepatitis oder HIV) bei der Dialyse ist aufgrund strikter Hygieneregeln nahezu ausgeschlossen, aber dennoch prinzipiell möglich.
Weitere Komplikationen sowie langfristige Schäden können sich durch die Niereninsuffizienz (schlechte Nierenfunktion) ergeben. Auch müssen die Hämodialyse-Patienten Regeln im Alltag befolgen, wie unter anderem eine begrenzte Flüssigkeitsaufnahme und eine bestimmte Kost. Werden diese Anweisungen nicht beachtet, kann es ebenfalls zu kritischen Zuständen kommen.
Mit der Hämodialyse ist heutzutage im Allgemeinen ein verhältnismäßig langes Leben möglich. Dennoch kann auch die ausgereifte Methode der Hämodialyse nicht komplett die Aufgaben der Nieren übernehmen, so dass es über lange Sicht oft zu Problemen wie beispielsweise verkalkten Gefäßen und Herzkrankheiten kommt. Im Durchschnitt überleben über die Hälfte der Dialyse-Patienten mindestens zehn Jahre und über ein Viertel der Dialysierten mindestens zwanzig Jahre. Prinzipiell ist die Prognose schlechter für Patienten mit Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder Herzerkrankungen. Bei sonst gesunden Patienten und auch bei vielen Patienten, die weitere Erkrankungen gewissenhaft behandeln, ist die Gefahr zu sterben kaum größer als bei Nierengesunden. Abgesehen von den häufigen und langen Behandlungsterminen und einigen Verhaltensregeln ist auch die Lebensqualität von Dialyse-Patienten meist gut. Die Notwendigkeit einer Dialyse entfällt, wenn erfolgreich eine Nierentransplantation durchgeführt wurde.