Zittern kann eine physiologisch, das heißt normale Reaktion des Körpers auf bestimmte Umweltreize oder Emotionen sein. Das typische Kältezittern entsteht durch kleine Muskelbewegungen am ganzen Körper, wodurch Wärme erzeugt werden soll, um die Körpertemperatur aufrecht zu erhalten. Mäßiges bis starkes Zittern kann auch durch Aufregung, Nervosität, Angst und Hysterie ausgelöst werden. Besonders häufig zittern in diesen Situationen die Hände und Knie.
Ebenfalls kein Zeichen einer Krankheit ist das Muskelzittern nach großer Anstrengung, zum Beispiel nach dem Tragen schwerer Lasten. Zittern wird jedoch dann zum Anzeichen einer Krankheit, wenn es nicht mehr von selbst verschwindet oder bei Bewegungen immer wieder auftritt. Diese Art des Tremors, besonders wenn dafür keine eindeutige Ursache wie starke Belastung oder Ähnliches gefunden werden kann, sollte unbedingt von einem Arzt abgeklärt werden.
Krankheiten, bei denen Zittern als Symptom auftritt:
Erkrankungen des Gehirns:
- Parkinson-Syndrom: langsam fortschreitende Erkrankung, bei der die Dopamin produzierenden Zellen im Gehirn absterben. Typische Begleitsymptome zusätzlich zum Ruhetremor sind die Muskelstarre (Rigor) und die Bewegungsunfähigkeit oder -Armut (Akinese) sowie Gang- und Standunsicherheit. Ein Patient mit dem Vollbild eines Parkinson-Syndroms bewegt sich langsam und unsicher, geht nach vorne geneigt und hat eine eingeschränkte Mimik.
- Multiple Sklerose: Die MS ist eine neurologische Erkrankung, bei der es aus bisher unbekannten Gründen zu Entzündungen der Nerven im Gehirn kommt. Diese Krankheit tritt in der Regel schon im jungen Erwachsenenalter auf und kann schubweise oder kontinuierlich verlaufen. Bis heute ist sie nicht heilbar und führt zu verschiedensten Symptomen und Behinderungen, wie beispielsweise zum Verlust der Sehkraft oder zu Muskelschwäche.
- Morbus Alzheimer: neurologische Erkrankung mit fortschreitendem Abbau der Gehirnzellen. Sie zeigt sich typischerweise in einem Verlust der geistigen, körperlichen und sozialen Fähigkeiten und tritt meist erst nach dem 65. Lebensjahr auf. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache der Demenz.
- Morbus Wilson: Erkrankung, bei der der Kupferstoffwechsel der Leber gestört ist. Sie führt zu einer vermehrten Einlagerung von Kupfer in die Leber, die Augen und das Gehirn, was dort zu Störungen führt.
- Schädigungen des Kleinhirns, z. B. durch einen Tumor: Sie zeigen sich häufig zunächst in Gangstörungen, Bewegungseinschränkungen und Sprachunsicherheiten.
- Verkalkungen der Hirngefäße (Arteriosklerose) mit daraus resultierenden Durchblutungsstörungen
- Schlaganfall, Transitorisch Ischämische Attacke (TIA)
- Herpes-Enzephalitis: Entzündung des Gehirns, die vom Herpes-Virus ausgelöst wird.
Schädigungen durch Vergiftungen mit:
- Alkohol, Nikotin, Koffein
- Blei, Kohlenmonoxid, Quecksilber, Arsen
- Drogen, wie Morphin oder Kokain
Nebenwirkungen von Medikamenten, z. B.:
- Neuroleptika (zur Behandlung von Psychosen), Thymoleptika (zur Behandlung von Depressionen oder Zwangsstörungen)
Stoffwechselerkrankungen:
- Magnesiummangel: Er zeigt sich in Muskelzuckungen, Krämpfen und ist verursacht durch einen starken Alkoholmissbrauch oder Mangelernährung.
- Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose): Zusätzlich zum typischen feinschlägigen Tremor der Finger und Hände treten Herzklopfen, allgemeine Unruhe, Nervosität, Gewichtsabnahme und Wärmeintoleranz auf.
- Leberinsuffizienz
- Unterzucker (Hypoglykämie), besonders bei Diabetes mellitus: Typische Begleitsymptome sind Herzklopfen, Schweißausbrüche, Unruhe und Übelkeit.
- Präeklampsie: Erkrankung in der Schwangerschaft mit Bluthochdruck, Eiweißen im Urin (Proteinurie) und Ödemen.
- Delirium tremens: lebensbedrohliches Syndrom bei kaltem Alkoholentzug
- Phäochromozytom: Adrenalin produzierender Tumor der Nebennieren
- Urämie bei Niereninsuffizienz (Harnvergiftung): Durch eine schwere Nierenerkrankung verbleiben giftige Substanzen, die normalerweise mit dem Urin ausgeschieden werden, im Blut. Dies verursacht verschiedene Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Hautausschlag, Herzschwäche und neurologische Ausfälle.
Erbliche Erkrankungen:
- familiärer essentieller Tremor: Die Ursache des Zitterns ist bisher noch nicht vollständig geklärt. Es kann in jedem Alter auftreten und sich im Laufe des Lebens verstärken. Meist zeigt sich ein Haltunstremor, der bei Familienmitgliedern in ähnlicher Weise auftritt.
Letzte Aktualisierung am 09.11.2009.