Die neurologische Untersuchung gliedert sich in viele kleine Einzelschritte, die an keine feste Reihenfolge gebunden sind, aber normalerweise vom Untersucher nach einem individuellen Schema durchgeführt werden.
Am Anfang wird der Patient zu seinen Symptomen und zu den Vorerkrankungen befragt (Anamnese).
Der Arzt betrachtet (inspiziert) den Patienten und achtet schon auf augenscheinliche Auffälligkeiten. Daraufhin wird eine grobe Untersuchung der inneren Organe durchgeführt. Dabei wird unter anderem auf die Funktion von Herz und Lunge geachtet, wozu auch die Abhorchung mit dem Stethoskop gehört. Die Pulse werden ertastet. Die Untersuchungen aus der inneren Medizin geben auch Aufschluss über die Funktion des so genannten vegetativen Nervensystems.
Dann beginnt die eigentliche neurologische Untersuchung. Meist fängt der Untersucher an mit der Untersuchung des Kopfes und Gesichtes. Unter anderem wird getestet, ob die so genannten Nervendruckpunkte schmerzen.
Die Funktionen der zwölf Hirnnerven werden mit speziellen Tests geprüft:
Ein wichtiger Bestandteil der neurologischen Untersuchung ist die Prüfung der Reflexe. Reflexe sind unwillkürliche Antworten des Nervensystems auf bestimmte Reize. Mit einem Reflexhammer können die Muskelreflexe an verschiedenen Stellen getestet werden. Zu diesen Reflexen gehören z. B. der bekannte Patellarsehnenreflex am Knie, der Achillessehnenreflex sowie der Bizepssehnenreflex. Weitere Reflexe können durch andersartige Reize, z. B. Bestreichen eines Hautareals, überprüft werden. Ein Beispiel hierfür ist der Bauchhautreflex.
Von großer Bedeutung ist auch die Beurteilung des Bewegungssystems. Der Arzt achtet auf Lähmungen, verkümmerte Muskeln, Verkrampfungen, Fehlstellungen oder andere Formveränderungen an Armen, Beinen und weiteren Bereichen. Geprüft wird, ob die Muskelspannung und Muskelkraft normal oder eingeschränkt ist.
Dann wird die Koordination der Bewegungen getestet. Untersucht wird beispielsweise, ob der Patient den Finger sicher zur Nase führen kann (Finger-Nase-Versuch), ob er sicher und auch bei geschlossenen Augen stehen und gehen kann, ob er sauber schreiben und normal sprechen kann.
Die Sensibilität wird ebenfalls im Rahmen der neurologischen Untersuchung eingehend geprüft. Dabei erfolgt an unterschiedlichen Hautstellen ein Test, ob Berührung, Schmerz und Temperatur regelrecht wahrgenommen werden. Zum Einsatz können beispielsweise Wattestäbchen für die Berührungsempfindlichkeit, spitze Objekte für die Schmerzwahrnehmung oder eine Stimmgabel für die Vibrationsempfindung kommen.
Der Zustand von Bewusstsein und Psyche wird kontrolliert. Es wird kontrolliert, ob das Bewusstsein klar ist, der Patient die Situation örtlich und zeitlich einordnen kann, ob die Erkennung von Sprache und Gegenständen normal funktioniert und ob er sich Sachverhalte merken kann. Der Arzt achtet auch auf die Stimmung und auf mögliche Verhaltensauffälligkeiten des Patienten.
Aus diesen Untersuchungen zieht der Arzt Schlüsse und beurteilt in der Gesamtheit, ob neurologische oder andere Erkrankungen vorliegen.