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Leukozyten


Was sind die Leukozyten?

Die Leukozytenanzahl (leukos (griechisch)= weiß; Leukozyten = weiße Blutzellen), oder Leukozytenzahl, ist definiert als die Menge an weißen Blutzellen in einem bestimmten Volumen Blut.


Als Normwerte gelten bei Frau und Mann: 4 - 10/nl, oder 4000-10000/µl

Die Leukozyten sind diejenigen Zellen, die für unsere Immunabwehr verantwortlich sind.
Es gibt mehrere Arten an weißen Blutkörperchen, deren Zahl bei einem gesunden Menschen einen bestimmten Anteil an der Gesamtmenge ausmacht:

  • Granulozyten ( 50 - 80%): Neutrophile (50 - 75%), dazu gehören Stabkernige (3 - 5%, unreif) und Segmentkernige (50 - 70%, reif).
    Außerdem gibt es Eosinophile (2 - 4%) und Basophile (0 - 1%).
  • Monozyten (1 - 12%)
  • Lymphozyten (25 - 40%)

Ganulozyten und Monozyten sind Fresszellen, Mediziner sprechen von Phagozyten (phagein (griech.): fressen). Fremdstoffe, oder Fremdkörper können von den Fresszellen eingeschlossen und dann in das Innere dieser Zellen aufgenommen werden. Dort werden sie durch zelleigene Stoffe abgebaut.

Die verschiedenen Fresszellen haben unterschiedliche Haupteinsatzgebiete. Neutrophile Granulozyten sind v.a. auf die Abwehr von Bakterien spezialisiert. Eosinophile schützen uns vor Parasiten (z.B. Würmer), und basophile Granulozyten speichern im Innern die Stoffe Heparin und Histamin, das bei Allergien eine wichtige Rolle spielt. Wird Histamin von den Zellen ausgeschüttet, kommt es zu einer allergischen Reaktion. Monozyten kommen v.a im Gewebe vor und fressen Mirkoorganismen, aber auch alte körpereigene Zellen.

Lymphozyten schließlich sind gegen Erreger und Fremdstoffe gerichtet, die sie als Besonderheit bei erneutem Eindringen in den Körper auch wiedererkennen können. Das hat den Vorteil, dass ab dem zweiten Mal die Abwehrmechanismen sehr viel schneller in Gang kommen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom " immunologischem Gedächtnis ".

Bei verschiedenen Erkrankung können jeweils unterschiedliche Leukozytenarten in ihrer Zahl verändert sein.

Wann wird die Leukozytenzahl bestimmt ?

Die Anzahl der weißen Blutkörperchen wird beispielsweise bei Entzündungen und Infektionen untersucht. Dasselbe geschieht bei Blutkrankheiten wie bei einer Anämie (= Blutarmut), oder Leukämie (= Blutkrebs). Auch, wenn das Knochenmark angegriffen ist, z.B wegen einer Bestrahlung in der Krebstherapie, wegen eines Krebses, der Metastasen im Körper gebildet hat (Metastase = "Ableger" eines Tumors), oder weil ein Patient Medikamente einnimmt, die das Immunsystem unterdrücken, wird die Leukozytenzahl regelmäßig gemessen.

Weiterhin kann auch ein Gewebsuntergang (Nekrose) wie bei Verbrennungen Anstoß zu einer Bestimmung geben. Das gleiche gilt für Vergiftungen und Kontrollen von Krankheiten, bei denen sich der eigene Körper selbst angreift (Autoaggressionserkrankungen).

Ab einer Zahl von 4000 Leukozyten im Blut spricht man in der Klinik von einer Leukozytose. Bei bakteriellen Infektionen beispielsweise kann die Zahl der Leukozyten z.T. drastisch erhöht sein. Eine Ausnahme hiervon bildet die Tuberkulose (= Schwindsucht). Aber auch Pilze und Parasiten können dafür verantwortlich sein, dass die Menge an weißen Blutkörperchen vergrößert ist. Das wird verständlich, wenn man bedenkt, dass die Leukozyten für unsere Immunabwehr verantwortlich sind. Chronische (= lang anhaltende) Entzündungen, eine Überfunktion der Schilddrüse (= Hyperthyreose) und rheumatische Krankheiten führen häufig ebenfalls dazu, dass die Zahl z.T. weit ansteigt.

Ebenso ein Coma diabeticum, hepaticum, uraemicum ( Ein Koma durch Diabetes, durch ein Versagen der Leber, durch fortgeschrittene Nierenfunktionsstörung), verschiedene Arten von Krebs und Metastasen. Schließlich kann auch bei einer gerade überstandenen Agranulozytose ( = starke Reduzierung, bis Fehlen der Granulozyten), bei Streß, einer Verletzung, Blutung, Verbrennung, bei einer Kohlenstoffdioxydvergiftung, einem Schock, einem Gewebsuntergang durch den Verschluss eines Gefäßes (= Infarkt), Hämolyse (= Zerstörung der roten Blutkörperchen (= Erythrozyten) und Gicht (= Stoffwechselstörung, bei der sich Harnsäurekristalle an verschiedenen Stellen im Körper ablagern) eine Leukozytose verursacht werden.

Als nicht krankhaft, sondern "normal " eingestuft werden kann eine Leukozytose in der Schwangerschaft, bei Babies und Kleinkindern, nach intensiver körperlicher Betätigung, nach Nahrungsaufnahme und beispielsweise bei Einnahme von Kortisol (z.B. zur Allergiebehandlung) und Lithium (= Antidepressivum).

Eine sog. Eosinophilie, bei der die Zahl der eosinophilen Ganulozyten erhöht ist, kommt bei nahezu allen Allergien vor, außerdem aber z.B. auch bei Wurminfektionen und Tumoren (=Krebs) in den Eierstöcken.

Eine isolierte Monozytose (=Erhöhung nur der Monozyten) findet sich beispielsweise bei einer Entzündung der Herzinnenhaut (= Endokarditis).Genauso aber u.a. auch bei anderen Entzündungen, Tuberkulose, einer Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (=> Pfeiffer'sches Drüsenfieber), Syphilis (= Geschlechtskrankheit), Brucellose (= Erkrankung, die durch die Bakterienart Brucella hervorgerufen wird) und Sarkoidose (=Erkrankung ungeklärter Ursache mit Knotenbildung in verschiedenen Organen).

Liegt die gemessene Leukozytenzahl im Blut bei einem Wert von 4000/µl, oder darunter, spricht man in der Medizin von einer Leukozytopenie. Eine solche kann z.B. dadurch hervorgerufen werden, dass wir zu wenig Vitamin B12 zu uns nehmen. Dieses Vitamin ist zur Bildung von weißen Blutkörperchen sehr wichtig. Auch eine familiäre Granulozytopenie (= nur die Granulozytenzahl ist vermindert), oder Autoimmunerkrankungen (= das Immunsystem des Köpers richtet sich gegen den eigenen Körper) kommen als Ursache in Frage. Ebenso kann ein starker Leukozytenabbau in der Milz, oder ein vermehrter Verbrauch bei Infektionen der Grund sein.

In der Klinik ist die durch Medikamente hervorgerufene Neutropenie (= Neutrophile Granulozyten sind vermindert) besonders gefürchtet. Sie kann in einer Agranulozytose gipfeln.

Bei der Agranulozytose werden zwei Formen unterschieden:

  • Typ I: unabhängig von der Dosierung des jeweiligen Medikaments kommt es zu einer allergischen Reaktion, bei der vom Körper Antikörper (= Abwehreiweiße) gegen die eigenen neutrophilen Granulozyten gebildet werden. Außerdem bilden sich Antigen-Antikörperkomplexe, die sich an die weißen Blutzellen binden und diese in der Zahl verringern (Antigen= Substanz, die die Bildung von Antikörpern anregt).
  • Typ II: medikamentöse Schädigung der Vorstufen der neutrophilen Granulozyten im Knochenmark, die abhängig ist von der Dosis des Medikaments.

    Medikamente, die eine Agranulozytose hervorrufen können, sind Antibiotika (=Mittel gegen z.B. bakteriell verursachte Infektionskrankheiten), Schmerzmittel, krampflösende Medikamente, Antidepressiva, Medikamente gegen Malaria, Mittel, die die Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen (Hormon= Botenstoff) verhindern (Thyreostatika), Antihistaminika (= hemmen die Wirkung des körpereigenen Botenstoffs Histamin), Blutdrucksenker, Mittel zur Erhöhung der Wasserauscheidung und Allupurinol (= Mittel zur Erniedrigung des Harnsäurespiegels im Blut)

Leukozyten Untersuchung »

Letzte Aktualisierung am 26.05.2009.

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