Der Deformationsfetischismus Acrotomophilie beschränkt sich allerdings nicht nur auf die sexuelle Präferenz der fehlenden Gliedmaßen, sondern kann sich auch mit dem Hang nach Missbildungen, Blindheit oder auch Lähmungen zeigen. Die Übergänge zu einem zwanghaften Verhalten und einer extravaganten sexuellen Vorliebe sind recht fließend und oft auch für die Betroffenen nicht klar erkenntlich.
In der Gesellschaft zeigen sich oftmals die Ansichten geteilt, wenn bei einem Menschen oder Paar die Acrotomophilie offensichtlich wird. Bei den Paaren selbst gibt es durchaus sehr glückliche Beziehungen, doch kommt es in vielen Fällen zu einer fast zwanghaften Beziehung unter der dann in der Regel der behinderte Mensch am meisten zu leiden hat. Auch der von der Acrotomophilie Betroffene hat es nicht leicht, denn sich offen zu seiner Vorliebe zu bekennen stößt sowohl in der Öffentlichkeit als auch oft bei den Behinderten selbst auf Ablehnung, weshalb es für ihn schwer ist eine entsprechende Partnerschaft oder sexuelle Beziehung einzugehen.
In den USA gibt es so genannte Interessengruppen, die sich unter anderem amelos nennen und es für Acrotomophilveranlagte Personen leichter macht über die sexuelle Vorliebe zu sprechen, sich auszutauschen und auch einen entsprechenden Partner zu finden. In reinen Behindertenforen sind allerdings Acrotomophilier nicht gerne gesehen und stoßen oft auf eine offen dargelegte Abneigung.
Vielfach wird die Acrotomophilie mit der Apotemnophilie verwechselt, die beide allerdings nichts gemeinsam haben, da sich die Apotemnophilie durch die sexuelle Vorliebe mit dem Wunsch nach einem eigenen oder fremden Amputieren von Penis oder anderen Gliedmaßen aufzeigt und nicht wie bei der Acrotomophilie einfach durch den sexuellen Reiz eines bereits amputierten Körperteils.
Woher sich der Hang zu einer Acrotomophilie entwickelt, ist auch in der Wissenschaft noch nicht ausreichend belegt. Möglicherweise kann diese Vorliebe oder auch der Zwang in der Kindheit bzw. Jugend begründet liegen oder auch durch ein einschneidendes Erlebnis im Erwachsenenalter. Eine psychotherapeutische Therapie ist unter normalen Umständen nicht nötig, kann allerdings bei einer involvierten sexuellen Nötigung und damit einer juristischen Verfolgung durch ein Urteil ausgesprochen werden.