Narratophilie können allerdings unterschiedliche Ausprägungen zeigen, die sich doch deutlich voneinander abgrenzen können. Viele narratophil veranlagte Menschen finden ihre Erregung im normalen Zwiegespräch oder auch beim Zuhören, wenn jemand erotische Geschichten erzählt oder vorliest. Beide Praktiken sind weder anrüchig noch unter einer krankhaften und gestörten Sexualität einzustufen.
Anders sieht es aus, wenn der Narratophile nur durch Gespräche mit reinem sexuellen Inhalt zur Erregung und auch zur anschließenden Befriedigung gelangen kann. So suchen sie jede Möglichkeit ein an sich harmloses Gespräch auf die sexuelle Schiene zu leiten und werden mit jedem einzelnen Wort nicht nur erregter, sondern auch mehr fixierter das Reden noch mehr auf sexuelle Worte und Fantasien auszuweiten.
Narratophile sind recht verbreitet, was man jedoch nicht unbedingt mitbekommt, denn auch wenn scheinbar Sex und obszöne Worte im Alltag und damit auch in den Medien gänzlich die Normalität präsentieren, zeigt sich das private Verhalten ganz anders. Scham hält viele Pärchen, und im Besonderen Frauen, zurück den so genannten Dirty Talk zu praktizieren. Durch diesen Umstand versuchen dann die Anhänger dieser Vorliebe sich ihre erregenden Worte durch bestimmte Sex-Hotlines oder auch bei Prostituierten zu holen. In extremen Fällen rufen sie wahllos Frauen an, sagen selbst vulgäre Wörter und erregen sich dann an den meist kommenden Antworten, wie etwa „du perverses Schwein" und ähnliches. Unbemerkt befriedigen die Angerufenen den Narratophilen, der sehr oft durch ein gleichzeitiges masturbieren zum Höhepunkt gelangt.
Als paraphil veranlagter Narratophiler wird dann ein Mensch bezeichnet, der nur noch und ausschließlich durch die erotisierende Sprachweise und demzufolge dem Hören zur sexuellen Erregung gelangen kann. Drehen sich die Gedanken nur noch um das „Eine", dann wird es für die Betroffenen nicht leicht, da sie beispielsweise auch während der Arbeit immer wieder versuchen Gespräche mit erotischen und vulgären Worten zu füllen, was nicht unbedingt bei jeder Situation oder Person als passend und angenehm anzusehen ist.
Rechtlich bewegt sich ein Narratophiler auf ruhigem Fahrwasser, zumindest solange, wie niemand belästigt oder eben verbal genötigt wird. In eine Therapie geht kaum ein Liebhaber der erotischen Sprache, denn er sieht sich weder als gestört noch als krank und sieht demzufolge auch nicht die unter Umständen bestehende sexuelle Abhängigkeit.
Woher die Vorliebe kommt, ist wie bei den meisten Paraphilien kaum nach zu vollziehen, was gerade auch auf die Narratophilie zutrifft, da man kaum davon ausgehen kann, dass sich diese sexuelle Präferenz schon im Kindesalter entwickeln kann. Vermutlich sind auslösende Faktoren in der Jugend oder auch bei einem prägenden Erlebnis im Erwachsenenalter zu suchen.