Das Spektrum des gesuchten Personenkreises zum Ausleben dieser sexuellen Präferenz ist recht vielfältig. So werden nicht nur sexuelle Reize bei Tätowierter gesucht, sondern auch bei unterschiedlichen Scarificationen, wie etwa Branding und das Cutten, oder auch durch Gepiercte. Letztere reizen Stigmatophile besonders dann, wenn die Piercings im Intimbereich zu finden sind oder auch so genannten Implants, die unter der Haut eingebracht werden, deutlich sichtbar sind.
Grundsätzlich kann man die Stigmatophilie nicht als eine gestörte sexuelle Vorliebe bezeichnen, da es durchaus einen ästhetischen Reiz auslösen kann, wenn man die entsprechenden Tätowierungen oder sonstigen Körperschmuck betrachtet. Allerdings ändert sich das „normal" rasch in eine krankhafte Form, wenn nur noch und ausschließlich eine Erregung durch das Betrachten oder Befühlen des „Schmucks" zustande kommt. Gleiches gilt, wenn der stigmatophil veranlagte Mensch unter allen Umständen seinen „Fetisch" sucht und sei es auch gegen den Willen der betreffenden Person.
Rechtlich kann der Hang zur Stigmatophilie nicht belangt werden, es sei denn, dass jemand sich durch die „Verfolgung" des Stigmatophilen belästigt oder gar genötigt fühlt. Ansonsten zählt diese sexuelle Vorliebe eher zu den etwas außergewöhnlichen Sexualpräferenzen ohne allerdings eine therapeutische Maßnahme nötig werden zu lassen. Doch auch hierbei kann es eine Einschränkung geben, nämlich dann, wenn der Betroffene selber unter seinem Hang leidet, weil der ganze Tagesablauf sich nur um den Fetisch und die Erfüllung der Lust dreht.
Weshalb und wie eine Stigmatophilie entstehen kann, ist nicht gänzlich geklärt, doch scheinen angenehme und prägende Erlebnisse diese Vorliebe zu untermauern. Erlebnisse jedoch, die vermutlich erst im jugendlichen Alter oder auch als Erwachsener erlebt wurden und sich dann über lange Jahre erhalten.