Telefonsex, so im Allgemeinen tituliert, erregt den Zuhörenden, der zumeist selbst keine obszönen Worte ausspricht, sondern diese hören möchte. Diese sexuelle Vorliebe ist an sich nichts ungewöhnliches, wird sie doch von vielen Menschen täglich angewendet. Ob ein Single, der sich an eine entsprechende Hotline wendet oder auch zwischen Paaren, die aufgrund gewisser Umstände nicht direkt zusammen sein können, TS (die Abkürzung für Telefonsex) ist in solchen Fällen recht normal.
Anders sieht es jedoch aus, wenn der Telefonscatophile nur noch und ausschließlich durch anregende und beschimpfende Worte erregt werden kann und auch nur so zu einem Orgasmus kommt. Unter dieser Prämisse kann dann ein ab und zu ausgeübter Dirty Talk rasch zu einer Sucht werden, die den Betroffenen auch zu bestimmten Handlungen hinreißen, die nicht unbedingt zu der „feinen" Art zählen. Das wahllose telefonieren mit der Hoffnung am anderen Ende eine Frau zu erwischen, kann durchaus krankhafte Formen annehmen, die das Leben des Betroffenen reichlich erschweren kann. So dreht sich bei einer ausgeprägten Telefonscatophilie alles nur noch um das Telefonieren und damit dem Hören von Obszönitäten, ein Zustand, der rasch den ganzen Alltag belasten kann.
Zusätzlich wird bei dieser Paraphilie auch ein normaler Sex, sprich Vis-a-vis kaum mehr möglich, da die Erregung auch deshalb eintritt, weil man den anderen per Telefon nicht sehen kann. Auch das Wissen, dass die andere Person nicht ahnt weshalb der Anrufer von Schimpfworten scheinbar unbeeindruckt ist, reizt den Telefonscatophilen umso mehr. Sollte diese sexuelle Vorliebe derart auswuchern, dann kann eine Therapie durchaus einen Sinn machen, wobei kaum ein Betroffener selbst diesen Weg sucht.
Rechtlich ist an der Durchführung des Telefonierens mit „schmutzigem" Inhalt zunächst nicht zu rütteln, allerdings kann sich das rasch ändern, wenn beispielsweise ein derart bedrängte Person eine Fangschaltung legen lässt und es zu einer Anklage kommt. Ein seltener Umstand im Bereich der Telefonscatophilie, doch auch nicht ausgeschlossen.
Worin die Ursache einer Telefonscatophilie liegt, ist selbst auf psychiatrischer Ebene kaum konkret festgelegt. Oftmals zeigt sich dieser Hang oder auch Sucht nach einer entsprechenden Erfahrung, die sich tief verankert hat und bei dem Betroffenen vermutlich zu einer Fiktion wurde, die einen ganz besonderen sexuellen Kick ausgelöst hat und im Anschluss ständig gesucht wird, zumal bei „Sex aus der Ferne" kein „Leistungsdruck" bei dem Telefonscatophilen entstehen lässt.