Unter einem Knochenbruch oder einer Fraktur versteht man die gewaltsame Trennung eines Knochens in zwei oder mehrere Bruchstücke. Mit anderen Worten ausgedrückt liegt eine Kontinuitätsunterbrechung eines Knochens vor, die unter Umständen zu einer Verschiebung (Dislokation) führen kann.
An der Bruchstelle kommt es in der Folge zu einer Schwellung, die durch Blutung und Gewebszerstörung hervorgerufen werden. Später entwickelt sich eine Knochennarbe, der so genannte Kallus.
Oft ist es aufgrund des Unfallhergangs möglich auf die Art der Verletzung zu schließen. Frakturen können nach mehreren Kriterien unterschieden werden.
Zahl der Fragmente
Man unterscheidet hier zwischen Einfragmentfrakturen (mit nur einem Frakturspalt), Stückfrakturen (weisen bis zu drei zusätzliche Fragmente auf) und Trümmerfrakturen (mehr als drei zusätzliche Fragmente).
Lokalisation
Hier werden unterschieden Schaftfrakturen (diaphysäre Frakturen), gelenknahe Frakturen (metaphysäre Frakturen), Gelenkfrakturen (Frakturen mit Beteiligung der Gelenkfläche) und Luxationsfrakturen.
- Verhalten der Bruchstelle
- Vollständigkeit (komplett/inkomplett)
- AO-Klassifikation
1958 wurde von der Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen (AO) eine systematische Klassifikation der Frakturen der langen Röhrenknochen entwickelt. Heute wird diese AO-Klassifikation allgemein als Grundlage der Beschreibung von Frakturen sowohl im klinischen Alltag als auch in wissenschaftlichen Veröffentlichungen verwendet. Zur Beschreibung eines Knochenbruchs werden bei der AO-Klassifikation vier Zahlen oder Buchstaben verwendet. Daneben gibt es weitere Codes die den assoziierten Haut-, Weichteil- und vaskulärnervösen Schaden beschreiben.
Offene und geschlossene Frakturen sowie der Schweregrad der Weichteilverletzung werden nach Tscherme und Oestern wie folgt gegliedert:
Geschlossene Frakturen
- Grad 0: Einfache Frakturform, indirekte Gewalteinwirkung, keine oder unbedeutende Weichteilverletzung
- Grad I: Einfache bis mittelschwere Frakturform, oberflächliche Hautabschürfung oder Kontusion durch Fragmentdruck von innen
- Grad II: Mittelschwere bis schwere Frakturform, tiefe, verschmutze Hautabschürfung, Kontusion durch direkte Gewalteinwirkung, drohendes Kompartmentsyndrom
- Grad III: Schwere Frakturform, ausgedehnte Hautkontusion oder Zerstörung der Muskulatur, subkutanes Decollement, manifestes Kompartmentsyndrom und Verletzung eines Hauptgefäßes.
Offene Frakturen
- Grad I: Einfache Frakturform, Durchspießung der Haut, unbedeutende Verschmutzung (Kontamination)
- Grad II: Hautdurchtrennung, umschriebene Haut- und Weichteilkontusion, mittelschwere Kontamination, alle Frakturformen.- Grad III: Ausgedehnte Knochenzertrümmerung, ausgedehnte Weichteildestruktion, starke Wundkontamination, häufig Gefäß- und Nervenverletzung
- Grad IV: Unvollständige (subtotale) Amputationsverletzung, weniger als ein Viertel des Weichteilmantels ist intakt, ausgedehnte Verletzungen von Nerven und Blutgefäßen
Offene Frakturen sind Verletzungen welche die äußere Haut trennen, so dass die Bruchwunde Verbindung mit der Außenwelt bekommt. Sie weisen eine höhere Infektionsgefahr auf und werden demnach auch als komplizierte Brüche angesehen.
Jeder Knochenbruch erfordert eine möglichst schnelle und sachgemäße Versorgung. Bis zur Knochenheilung ist eine Einrichtung (Reposition) und Fixierung (durch Gips- oder Zugverbände) in der richtigen Lage notwendig.
Die Einrichtung kann unblutig oder operativ durchgeführt werden. Bei komplizierten Brüchen werden die Knochenenden durch Metallimplantate (z.B. Schrauben oder Platten), bis zur Heilung fest miteinander verbunden (Osteosynthese), die nach der Heilung wieder entfernt werden.
Je nach Art und Ort des Bruchs kann die Knochenheilung von wenigen Wochen bis zu einem Jahr dauern. Liegen parallel dazu Allgemeinerkrankungen wie Diabetes mellitus vor, so wird der Heilungsprozess verzögert oder bleibt aus. Im letzteren Fall kann es zur Bildung eines falschen Gelenks (Pseudoarthrose) kommen.
Übersicht der verschiedenen Frakturformen:
- Querfraktur: Einfache, querverlaufende Fraktur, welches oft durch direkte Krafteinwirkung auf die feststehende Extremität hervorgerufen wird, z.B. beim Fußball
- Schrägfraktur: Einfache Fraktur mit in unterschiedlichem Winkel schrägverlaufenden Frakturlinien, die durch schräg einwirkende Kraft hervorgerufen wird
- Kompressionsfraktur: Fraktur die durch Gewalteinwirkung auf die Längsachse eines Knochens entsteht, z.B. Fersenbeinfraktur oder Wirbelkörperfraktur. Ursache ist häufig ein Sturz aus größerer Höhe
- Berstungsfraktur: Tritt am knöchernen Schädel auf und entsteht durch Einwirkung stumpfer Gewalt. Charakteristisch sind sternförmige Frakturlinien, oft mit Eindrückung von Fragmenten
- Spiral- oder Torsionsfraktur: Lange Spiralfraktur des proximalen Oberschenkels mit spiralig verlaufenden Frakturlinien. Entsteht meist durch indirekte Gewalteinwirkung durch Verdrehung der feststehenden Extremität
- Abrissfraktur: Sie entsteht durch eine plötzliche Spannungssteigerung einer Sehne oder eines Bandes am knöchernen Ansatz. Vor allem bei jüngeren Menschen besteht eine höhere Zugfestigkeit der Sehnen und Bänder im Vergleich mit dem Knochen, dadurch kommt es zu einem Abriss einer Kortikalisschale oder gar eines ganzen Knochenfragmentes, z.B. Außenknöchelbruch
- Abscherfraktur (Meißelfraktur): Bei einer Gelenkstauchung kommt es zur Abscherung eines Knochenteils wie mit einem Meißelschlag. Sie tritt oft am Speichenköpfchen und am Schienbeinkopf auf
- Grünholzfraktur: Kindliche Frakturform, bei der es zur Knickbildung wie bei einem frischen grünen Zweig kommt. Die Knochenhaut (Periost) reißt nicht
- Ermüdungsfraktur: Fraktur, die durch ständige zyklische Belastung eines Knochens auftritt. Sie ist schwer zu diagnostizieren, da im Röntgen eine solche Fraktur erst nach einer periostalen Reaktion nach einigen Wochen sichtbar wird. Bis dahin ist jedoch der eigentliche Knochen wieder verheilt
- Pathologische Fraktur: Eine Fraktur ohne „adäquates Trauma" wird als pathologische Fraktur oder Spontanfraktur bezeichnet, z.B. Sinterungsfrakturen der Wirbelkörper bei schwerer Osteoporose oder Spontanfrakturen im Bereich von Knochenmetastasen bösartiger Tumore.
Letzte Aktualisierung am 05.12.2008.