Eine komplette Heilung ist meistens nur im Bereich der inneren Organe möglich, Hautwunden werden lediglich repariert. Der Wundspalt wird zunächst mit einem Blutgerinnsel verschlossen und von innen her mit Bindegewebe aufgefüllt. Am Ende des Wundheilungsprozesses entsteht somit die Narbe.
Die wichtigsten Ursachen die zu einer Narbenbildung führen sind folgende:
In der Regel heilen Verletzungen, bei denen kaum Gewebe verloren geht (z.B. Operationsschnitt), problemlos wieder ab. Solche Wunden hinterlassen meist nur eine feine Linie, die auch kosmetisch wenig störend ist. Dagegen können Verletzungen z.B. Verbrennungen, Dekubitus und Bisswunden, bei denen viel Gewebe verloren geht, nur sekundär abheilen, dass heißt offen und ohne Naht. Bei der sekundären Wundheilung hinterlassen die Wunden häufig großflächige und auffällige Narben. Werden dagegen Wunden durch eine Naht verschlossen (primäre Wundheilung), so bilden sich meistens nur kleine Narben.
Die Gestalt der Narbe ist unter anderem auch abhängig von dem Körperteil, auf dem sich die Narbe befindet. Liegen Narben auf Körperteilen, die häufig angespannt und bewegt werden, so sind sie einer ständigen Zugspannung ausgesetzt. Diese Spannung führt in der Regel dazu, dass sich auffällige Narben bilden. So sind Narben z.B. über Gelenken, am Rücken oder im Bereich der Schulter besonders auffällig.
Treten während des Heilungsprozesses Infektionen auf, so ist die Wahrscheinlichkeit dass sich auffällige Narben entwickeln relativ hoch. Infektionen führen in der Regel auch zu einer verzögerten Wundheilung.
Bei einer Infektion müssen ebenfalls bereits verschlossene Wunden wieder geöffnet werden, diese können anschließend nur noch sekundär, also offen, abheilen. Eine Wundinfektion ist abhängig von der Zahl der Keimbesiedlung, Art der Keime, Giftigkeit (Virulenz) der Keime, Art der Wunde(z.B. glatt oder zerklüftet), Fremdkörper in der Wunde und der Immunabwehr des Verletzten.
Je jünger der Patient ist, desto schneller heilen die Wunden ab. Der wesentliche Grund dafür ist, dass im Alter die Haut dünner wird, sowie die Fettschichten, Kollagenfasern und die elastischen Fasern abnehmen. Auch die Anzahl der Schweißdrüsen wird mit dem Alter immer weniger. Zudem besteht eine Minderdurchblutung, die zu einer mangelhaften Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen führt.
All diese Veränderungen führen dazu, dass die Haut älterer Menschen dünner, trockener und weniger elastisch wird. Demnach ist die Haut zum einen leichter verletzbar und zum anderen führt die Minderversorgung dazu, dass Wunden insgesamt schlechter und langsamer abheilen. Mit der langen Heilzeit erhöht sich natürlich auch das Infektionsrisiko einer Wunde erheblich.
Verletzungen bei jüngeren Menschen führen dagegen zur vermehrten Bindegewebsproduktion (mehr als eigentlich notwendig ist!). Als Folge entstehen somit dickere und oft größere Narben.
Auch erbliche Faktoren scheinen eine wichtige Rolle zu spielen. So konnte man bei Menschen afrikanischer und asiatischer Abstammung eine eher überschießende Neubildung von Bindegewebe feststellen.
Verschiedene Störungen in der Narbenbildung können dazu führen, dass es zu einer auffälligen Narbenbildung kommt. Man unterscheidet demnach zwischen Narbenkontrakturen, Atrophe Narben, Hypertrophe Narben und Keloide.
Die Bildung neuer Bindegewebsfasern reicht in der Regel nicht aus, um die Wunde auszufüllen. Somit entsteht eine eingesunkene Narbe, die unter dem Hautniveau liegt. Meistens handelt es sich um flache und breite Narben, die in Form von kleinen Grübchen auftreten.
Aknenarben sind typisch für diese Form der Narbenbildung. Die schwere Form der Akne conglobata geht mit starken Entzündungen, schmerzhaft entzündeten Knoten und Fistelgängen einher, die nach der Abheilung oft atrophe Narben hinterlassen.
Hypertrophe Narben entstehen als Folge einer überschießenden Bildung von Bindegewebe, die entweder kurz nach der Wundheilung oder noch in deren Verlauf auftreten kann. Durch die Überproduktion von Bindegewebsfasern kommt es zu einer Wulstbildung, die sich über das gesunde, sie umgebende Hautniveau erhebt. Grundsätzlich beschränkt sie sich auf das ursprüngliche Verletzungsgebiet. Hypertrophe Narben entstehen vor allem dann, wenn die Wunde nicht ruhiggestellt bzw. geschont wird oder zusätzlich eine Infektion auftritt.
Meistens sind solche Narben stark gerötet, können jucken und schmerzen.
Ursache für die Entstehung dieser Narbe sind häufig starke Zugkräfte, gegen die sich die Wunde während des Heilungsprozesses schließen muss.
Aufgrund der verstärkten Zugkräfte richten sich die Kollagenfasern in Richtung des Zugreizes aus. Durch die kontinuierliche Spannung kommt es zu einer vermehrten Bildung von Blutgefäßen und Bindegewebe. Folge ist eine wulstartige, stark gerötete Narbe. Solche Narben treten bevorzugt im Bereich der Gelenke auf, wo Bewegung die Entstehung von Zugkräften fördert.
Mangelnde Schonung, Wundinfektionen oder auch Verbrennungen können zusätzlich die Bildung einer hypertrophen Narbe begünstigen. Häufig sind Kinder und Jugendliche betroffen, weil sie zur vermehrten Bildung von Bindegewebe neigen.
In einigen Fällen kann es sogar dazu kommen, dass sich die Narbe nach ein bis zwei Jahren spontan zurückbildet.
Man achtet besonders bei Operationen drauf, durch eine gezielte Schnittführung übermäßige Zugkräfte zu verhindern, indem der Operationsschnitt entlang der natürlichen Hautspaltlinien gesetzt wird. Diese Linien bezeichnet man auch als „Langersche Linien".
Keloide entstehen durch eine stark überschießende Produktion von Bindegewebe, die erst nach längerer Zeit nach Abschluss der Wundheilung auftritt. Die Narbe wächst krebsscherenartig über den Wundbereich hinaus in das gesunde Gewebe und beschränkt sich dabei nicht auf das Gebiet der Wunde. Typisch sind hier oft dicke und wulstförmig aufgeworfene Wucherungen, die meist rot oder auch dunkler gefärbt sein können, als die gesunde umgebende Haut.
Häufig besteht auch starker Juckreiz und eine erhöhte Empfindlichkeit des Gewebes. Auch die Größe der Keloide kann sehr stark variieren, sie kann von wenigen Millimetern bis hin zu Größe eines Fußballs reichen. Keloide treten nur in pigmentierter Haut auf.
Vor allem Jugendliche, junge Frauen und Menschen dunkler Hautfarbe ( 10 mal häufiger als bei Menschen mit weißer Hautfarbe) sind hiervon betroffen.
Häufig entstehen solche Narben an Körperstellen, die einer großen Hautspannung ausgesetzt sind, z.B. Schulter. Auch Verbrennungswunden, Aknenarben oder Operationsschnitte können später Keloide ausbilden. In seltenen Fällen können sich Keloide auch spontan zurückbilden.
Man vermutet dass die Ursache für die Entstehung von Keloiden unter anderem eine Störung im Kollagenstoffwechsel sein kann. Auch erbliche Faktoren werden diskutiert, da Keloide familiär gehäuft vorkommen.