Es ist völlig normal, dass sich bei Kälte die kleinen Gefäße der Finger, Zehen und Haut verengen. Dadurch wird die Durchblutung gedrosselt und der Wärmeverlust minimiert, indem mehr Blut von oberflächlichen Hautgefäßen in tiefere Körpervenen geleitet wird. Beim Raynaud-Syndrom reagieren jedoch die Arterien krampfartig und die Durchblutung wird zu stark und einfach zu lange gedrosselt. Kälte ist der häufigste Auslöser, daher treten auch die Symptome im Winter besonders häufig auf. Oft ist jedoch nicht unbedingt große Kälte erforderlich. Manchmal reicht schon ein kurzer Temperaturwechsel aus, z.B. der Griff in den Kühlschrank, um einen Anfall auszulösen.
Als weitere Ursachen werden diskutiert:
Neuronale Fehlregulation
Beim Raynaud-Syndrom liegt eine Fehlinnervation durch den Sympathikus zugrunde, der über Alpha-Adrenorezeptoren eine Gefäßverengung (Gefäßkonstriktion) der Endarterien (Arteriolen) bewirkt. In der Folge kommt es zu einem Gefäßspamus, der Blutfluss wird in den betroffenen Arealen sehr stark eingeschränkt. In den meisten Fällen lösen sich die Spasmen von selbst.
Verschluss der Arterien
Ursache können auch Arterienverschlüsse sein, z.B. durch Mikrothromben (kleine Gerinnsel), Verengungen der Gefäße, Kompressionen, dauerhafte Vibration oder Erfrierungsschäden.
Entzündliche Veränderungen der Gefäßwand
Entzündliche Veränderungen kommen vor bei Kollagenosen, Wegener-Granuolmatose (seltene, schwere Gefäßentzündung), rheumatoide Arthritis u.a.
Hämatologische Erkrankungen
Hierzu zählen Kälteagglutinine (Antikörper, die den Abbau von Blut hervorrufen können), Thrombozytose (erhöhte Zahl von Blutplättchen) und Polyzythämie (erhöhte Zahl von roten Blutkörperchen).
Toxische Substanzen und Medikamente
Hierzu gehören Medikamente gegen Bluthochdruck (Beta-Blocker), hormonelle Antikonzeptiva („Pille") und Chemotherapeutika (Zytostatika).Ursachen, abhängig von der Form der Erkrankung:
Primäres Raynaud-Syndrom
Sie tritt ohne eine zugrundeliegende Erkrankung eigenständig auf und ist die häufigste Form der Erkrankung. Leider ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt, wie es zur Entstehung eines primären Raynaud-Syndroms kommt. Die Erkrankung tritt häufig gemeinsam mit anderen vasospastischen (durch Gefäßkrämpfe verursachte) Erkrankungen wie z.B. Migräne auf.
Sekundäres Raynaud-Syndrom
Die sekundäre Form kann durch viele verschiedene Erkrankungen hervorgerufen werden. Es liegen also organische Veränderungen zugrunde, die eine entsprechende Symptomatik hervorrufen können. Insgesamt gibt es etwa 40 Erkrankungen die mit der Raynaud-Symptomatik verknüpft werden.
Letzte Aktualisierung am 03.08.2009.