Jedes Arzneimittel verfügt über eine so genannte „Therapeutische Breite". Diese beschreibt das Verhältnis von der therapeutischen zu der giftigen (toxischen) Dosis. Je kleiner die therapeutische Breite, desto eher kann es zu einer Vergiftung kommen, da eine Dosis bei geringer Erhöhung sehr schnell vom therapeutischen in den giftigen Bereich gleiten kann. Bei einer Schlafmittelvergiftung liegt die Dosis des Schlafmittels im Blut bereits im giftigen Bereich.
Es gibt verschiedene Arten von Schlafmittel, die jeweils eine unterschiedlich große therapeutische Breite haben und somit häufiger oder seltener zu Vergiftungen führen können. Hier seien die häufigsten Schlafmittel, bei denen es möglicherweise zu Vergiftungen kommen kann, genannt:
Benzodiazepine sind Medikamente mit beruhigenden (sedierenden), angstlösenden (anxiolytischen) und schlaffördernden (hypnotischen) Eigenschaften. Benzodiazepine unterliegen der Verschreibungspflicht und in hohen Konzentrationen sogar dem Betäubungsmittelgesetz. Benzodiazepine haben eine große therapeutische Breite und müssen in hohen Dosen eingenommen werden, um eine Vergiftung auszulösen. Die meisten Vergiftungen entstehen daher durch die gleichzeitige Einnahme von Alkohol. Vertreter dieser Gruppe sind zum Beispiel Diazepam (Handelsname: Valium) oder Flunitrazepam (Handelsname: Rohypnol).
Bis in die 70er Jahre waren Barbituratvergiftungen die häufigste Medikamentenvergiftung und eine der häufigsten Ursachen bei einem Selbstmord. Aufgrund ihrer abhängig machenden Eigenschaften und des geringen Abstands zwischen therapeutischer und tödlicher Dosis sind die verschreibungspflichtigen Barbiturate seit 1992 in Deutschland nicht mehr als Schlafmittel zugelassen. Heute wird nur noch ein Medikament dieser Gruppe, das Thiopental, als Alternative bei einer Narkose verwendet.
Antihistaminika werden in verschiedene Gruppen eingeteilt und sind hauptsächlich aus der Allergietherapie bekannt. Doch eine dieser Gruppen, die so genannten H1-Antihistaminika, haben beruhigende und schlaffördernde Eigenschaften. Zu diesen Medikamenten zählt das Diphenhydramin (Handelsname zum Beispiel Vivinox). Antihistaminika haben eine große therapeutsiche Breite und führen daher seltener zu Schlafmittelvergiftungen.
Dies sind Medikamente, die zwar eine andere chemische Struktur, aber eine ähnliche Wirkung wie Benzodiazepine haben. Auch für sie gilt, dass Vergiftungen eher nur in Verbindung mit anderen Substanzen, wie zum Beispiel Alkohol, auftreten. Bekannte Vertreter dieser Medikamentengruppe sind beispielsweise Zolpidem (Handelsname Stilnox) oder Zopiclon (Handelsname Ximovan).
Tryptophan ist eigentlich eine Aminosäure und ein Vorläufer des Nervenbotenstoffs Serotonin. Es ist rezeptfrei erhältlich, wird jedoch aufgrund seines hohen Preises selten als Schlafmittel verwendet. Da Tryptophan das Enzym, von dem es abgebaut wird, selbst aktiviert, kann es zu keinen nennenswerten Überdosierungen kommen.