Vor allen Untersuchungen wird zunächst eine genaue Anamnese durch den behandelnden Arzt erhoben. Dazu werden zunächst gezielte Fragen zum Zyklusablauf gestellt. Die Patientin sollte mindestens drei Menstruationszyklen genau dokumentieren und dabei Begleiterscheinungen wie Unterleibsschmerzen oder Zwischenblutungen in einen Zykluskalender eintragen.
Ein deutlich verkürzter Zyklus kann beispielsweise schon Hinweise auf eine so genannte Gelbkörperschwäche geben, ein Ausbleiben der Monatsblutung (Amenorrhoe) weist hingegen auf einen fehlenden Eisprung hin.
Außerdem werden im Erstgespräch auch Erkrankungen innerhalb der Familie, derzeit eingenommenen Medikamenten sowie Allgemeinerkrankungen besprochen.
Im Anschluss an diese Befragung der Patientin wird in der Regel eine Blutentnahme vorgenommen.
In der Blutuntersuchung kann die Konzentration verschiedener Sexualhormone bestimmt werden. Hormonuntersuchungen nehmen in der Sterilitätsdiagnostik eine Schlüsselrolle ein.
Getestet werden meist:
- Prolaktin. Dessen Werte schwanken zwischen 5 und 25 ng/ml. Bei erhöhten Prolaktinwerten kann ein Hypophysentumor (Prolaktinom) oder eine Schilddrüsenunterfunktion vorliegen. Auch die Einnahme von Psychopharmaka kann eine so genannte Hyperprolaktinämie auslösen. Bei einem Überschuss an Prolaktin kann die Eireifung und damit der weibliche Zyklus gestört werden, was den Auslöser für eine Sterilität darstellen kann.
- 17β- Östradiol. Hier schwankt die Konzentration des Hormons zwischen 50-400pg/ml, je nach Zyklusphase. Der Östradiolspiegel zeigt an, ob die Eireifung in den Eierstöcken ungestört abläuft. Abweichende Werte können auf ein Climacerium Präcox, also ein verfrühtes Eintreten in die Wechseljahre hinweisen.
- FSH (Follielstimulierendes Hormon). Dieses Hormon fördert die Bildung der Eibläschen, in denen die Eizellen heranreifn. Hier liegen die Blutwerte bei etwa 1-25mU/ml, was auch abhängig von der Zyklusphase ist. Auch hier können abweichende Werte auf ein Climacterium Praecox hinweisen.
- LH (Luteinisierendes Hormon). Dieses Hormon wird nur wenige Tage vor dem Eisprung ausgeschüttet. Auch hier schwankt der Wert sehr stark abhängig von der Zyklusphase. Meist wird die Bestimmung dieser Hormonkonzentration zur Berechnung der LH/FSH ratio herangezogen. Dabei wird der Blutwert von LH durch den von FSH dividiert. Ergibt diese Berechnung eine Zahl kleiner 3 muss der Verdacht eines PCO-Syndroms oder einer Hyperandrogenämie gestellt werden.
- Testosteron. Auch dieses eigentlich männliche Hormon ist bei der Frau in geringen Konzentrationen vorhanden. Diese liegt bei etwa 0,06-0,086 ng/ml. Werden diese Konzentrationen überschritten muss ebenfalls an eine Hyperandrogenämie gedacht werden.
- DHEAS, die Vorstufe des männlichen Hormons Testosteron. Der wert dieses Hormons schwankt je nach Alter. Er gibt Hinweise auf das Vorliegen einer so genannten adrenalen Hyperandrogenämie.
- Progesteron, das so genannte Gelbkörperhormon wird in der zweiten Zyklushälfte im Gelbkörper, dem Rest des Eibläschens, gebildet. Es bereitet die Gebärmutter auf die Einnistung einer befruchteten Eizelle vor. Erniedrigte Progesteronwerte können auf eine Gelbkörperschwäche hinweisen.
- Schilddrüsenhormone. Eine ausführliche Schilddrüsendiagnostik ist ebenfalls sehr wichtig, um eventuellen Nebennierenstörungen und einen Diabetes mellitus auszuschließen.
Eine weitere diagnostische Möglichkeit bietet der so genannte Postkoitaltest nach Sims-Huhner:
- 1-3 Tage nach der Ovulation soll die so genannte Spinnbarkeit des Zervikalschleimes gemessen werden. Diese soll etwa 5cm oder mehr betragen.
- 2-12 Stunden postkoital sollen mindestens 5 Spermien pro Gesichtsfeld sichtbar sein. Ist dies nicht der Fall, muss beim Mann eine Untersuchung der Samenflüssigkeit durchgeführt werden.
Zur weiteren Diagnostik wird ein Ovulationsmonitoring durchgeführt:
- Die so genannte Basaltemperatur der Frau wird gemessen. Diese ist zwei bis drei Tage nach dem Eisprung etwa 0,5 Grad Celsius höher als die ursprüngliche Körpertemperatur. Diese Methode wird auch zur natürlichen Verhütung angewendet und kann bei bestehendem Kinderwunsch dazu beitragen, die fruchtbaren Tage und den Zeitpunkt des Eisprungs zu bestimmen.
- Eine weitere Methode in diesem Rahmen ist die vaginal-sonographische Follikulometrie: Der Durchmesser vor der Ovulation beträgt im Normalfall etwa 18-25mm. Nach dem Platzen des Follikels und der Abgabe der Eizelle in den Eileiter ist außerdem das Corpus Luteum sowie freie Flüssigkeit im Douglasschen Raum nachweisbar.
- Beim endokrinen Ovulationsmonitoring werden Spitzenwerte der Hormone LH und E2 im regulären Zyklusablauf gemessen und über längere Sicht überwacht.
Neben diesen Maßnahmen sollte auch unbedingt sichergestellt werden, dass keine Entzündung oder Infektion die Ursache der Sterilität darstellt.
Zur bakteriologischen Abklärung wird:
- Ein Abstrich aus der Schleimhaut des Gebärmutterhalses (Zervikalabstrich) entnommen, der auf spezielle Erreger hin untersucht wird.
- Wir eine Bauchspiegelung vorgenommen (Laparoskopie) kann in diesem Rahmen auch das Becken betrachtet werden. So können die Operateure sehen, ob eine Entzündung der inneren Geschlechtsorgane vorliegt.
Eine weitere diagnostische Möglichkeit ist die Lutealanalytik. Durch einen vaginalen Ultraschall wird in der so genannten Lutealphase des weiblichen Zyklus die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) beurteilt und der Progesteronspiegel im Blut gemessen.
Liegt die Konzentration von Progesteron unter 10ng/ml besteht der Verdacht einer inadäquaten Lutealphase.
Des Weiteren können verschiedene Tests durchgeführt werden:
- Im Gestegantest wird die Östrogenwirkung auf das Endometrium überprüft.
- Beim Östrigentest wird die Stimulierbarkeit des Endometriums getestet.
Haben all diese Tests zu keinem Ergebnis geführt, kann auch eine Tubendiagnostik womöglich zur Findung der Ursache beitragen.
- Im Verlauf einer Laparaskopie (Bauchspiegelung) und einer damit verbundenen Chromopertubation kann die Durchgängigkeit der Eileiter überprüft werden.. Eine Bauchspiegelung ist die präziseste Methode, um die Eileiter zu überprüfen und daneben auch Organe wie Gebärmutter, Eierstöcke und Blase direkt zu betrachten. Endometriose, Verwachsungen oder Myome können erkannt und teilweise auch schon sofort während des Eingriffs entfernt werden.
- Daneben kann eine Darstellung der Eileiter mittels Ultraschall sowie eine zusätzliche Kontrastmittelgabe (Hysterokontrastsonografie, Hysterosalpingo-Sonografie, HKSG) weiteren Aufschluss über die Durchgängigkeit der Eileiter geben.. Dabei wird ein dünner Katheter durch die Scheide in die Gebärmutter eingeführt, in den man anschließend Kontrastmittel gibt. Im Ultraschallbild lässt sich erkennen, ob und wie das Kontrastmittel durch die Eileiter fließt. Die Kontrasmittelsonografie hat die früher übliche Hysterosalpingografie weitgehend abgelöst, die die Patienten erheblich mit Strahlen belastete.
- Hysterosalpingographie (Gebärmutterspiegelung). Eine Gebärmutterspiegelung gibt Aufschluss über Verklebungen, Myome oder Polypen in der Gebärmutter, die dabei oft schon während des Eingriffs entfernt werden können.
Letzte Aktualisierung am 25.03.2009.